Zeit und Gedanken
Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties derart von den Schuhsohlen her eingefangen. Das Leben läuft zu schnell ab im kleinkriminellen Milieu.
Es läuft zu schnell ab für Franz Biberkopf, den aus der Haft entlassenen Totschläger, der sich immer an die falschen Freunde hängt, und für Mieze, die verliebte Hure, die vom Schlachtermesser des Ganoven Reinhold zerteilt wird. Rasend ist der Roman und rührend.
Aber wieso macht man sich während dieses Theaterabends in Hannover so viele Gedanken über Döblins Buch? Eine ausladende, mit Zeitungen bekleisterte Wand spannt sich über einen stark abgeflachten Kegel, auf dem zumeist gespielt wird. Wenn sich die Bühne (von Robert Ebeling) dreht, gibt die Rückseite eine graue Fensterfront zu erkennen. Man kann auch in der Wand stehen. Das darf als multifunktional gelten. Hier und da lassen einige Verwinkelungen an Wohnungsbilder von ...
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