Die soziale Frage
Bewerben Sie sich alle drei Jahre bei einem anderen Unternehmen, auch wenn Sie keinen neuen Job suchen, empfiehlt der «Nr.1-Bestseller: Simplify your life», beworben von der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und dem «Stern»: «Damit Sie, wenn Sie arbeitslos werden, nicht vor dem Nichts stehen.» Dabei steht man in so einem Fall gar nicht vor dem Nichts, sondern vor ziemlich viel: Problemen, nämlich.
Zum Beispiel Anton, Mitte 30, und in internationalen Immobilienanlagen tätig.
Er hat eine künstlerisch ehrgeizige Frau, eine steinreiche und ungezwungen altersgeile Schwiegermutter, erwartet demnächst ein sicher reizendes Töchterchen. Man richtet sich gerade in einem frisch bezogenen Haus mit Garten ein, in vermutlich bester Lage. Dummerweise hat Anton einen kleinen Fehler gemacht, irgendwas mit der Unterschrift seines Chefs. Der Alte feuert ihn persönlich und diskret, was die Sache nicht besser macht. Denn jetzt folgt das ganze Programm, angefangen mit der familiären Verschleierungstaktik und der unvermeidlichen Ehekrise über den Ruin zum Selbstmord. Das saturierte Mittelstandsdrama hat Marius von Mayenburg so versiert konventionell in Szenen gefasst, wie das Leben seiner ...
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So nah sind die Berge. Wie ein Schweizer Modell-Städtchen ist Sarajevo eingebettet in die Landschaft, man möchte an diesen ungewöhnlich sonnigen Oktobertagen am liebsten einfach loswandern, direkt aus der Stadt hinaus in die Natur – doch davor warnt nicht nur das Auswärtige Amt: Noch immer ist die Gegend schwer vermint. Noch immer bedeutet von den Straßen...
Thomas Bernhard und Nürnberg – damit könnte man es sich sehr einfach machen: «… wie dieser schreckliche Ur- und Vor-Nazi Dürer», heißt es an einer Stelle in den «Alten Meistern», «der die Natur an die Leinwand gestellt und getötet hat, dieser schauerliche Dürer, wie Reger sehr oft sagt, weil er Dürer tatsächlich zutiefst hasst, diesen Nürnberger Ziselierkünstler.»
...
Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties...
