Die soziale Frage
Bewerben Sie sich alle drei Jahre bei einem anderen Unternehmen, auch wenn Sie keinen neuen Job suchen, empfiehlt der «Nr.1-Bestseller: Simplify your life», beworben von der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und dem «Stern»: «Damit Sie, wenn Sie arbeitslos werden, nicht vor dem Nichts stehen.» Dabei steht man in so einem Fall gar nicht vor dem Nichts, sondern vor ziemlich viel: Problemen, nämlich.
Zum Beispiel Anton, Mitte 30, und in internationalen Immobilienanlagen tätig.
Er hat eine künstlerisch ehrgeizige Frau, eine steinreiche und ungezwungen altersgeile Schwiegermutter, erwartet demnächst ein sicher reizendes Töchterchen. Man richtet sich gerade in einem frisch bezogenen Haus mit Garten ein, in vermutlich bester Lage. Dummerweise hat Anton einen kleinen Fehler gemacht, irgendwas mit der Unterschrift seines Chefs. Der Alte feuert ihn persönlich und diskret, was die Sache nicht besser macht. Denn jetzt folgt das ganze Programm, angefangen mit der familiären Verschleierungstaktik und der unvermeidlichen Ehekrise über den Ruin zum Selbstmord. Das saturierte Mittelstandsdrama hat Marius von Mayenburg so versiert konventionell in Szenen gefasst, wie das Leben seiner ...
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Er ist angekommen. Das lange Theater-Leben des Peter Palitzsch endete, von wo es ausging. Sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße, Berlin Mitte, liegt einige Dutzend Meter entfernt von dem Findling mit dem Namen Bertolt Brecht. Dazwischen das Grab Hegels, dessen idealistische, auf Synthese zielende Dialektik Brecht – und Palitzsch –...
Gab man bei Google Anfang 2005 die beiden Suchbegriffe «kindgerecht» und «Theater» ein, dann erhielt man als erstes Suchergebnis einen Gästebucheintrag vom Theater Bautzen mit folgendem Wortlaut: «Am letztem Sonntag besuchten ich und meine beiden Söhne die Familienvorstellung des angeblichen Weihnachtsmärchens ‹Der gestiefelte Kater›. Mit großem Entsetzen musste...
Zum ersten Mal begegnete ich Palitzsch bei der ersten Probe zur ersten Aufführung des Berliner Ensembles im Zuschauerraum des Deutschen Theaters in der Schumannstraße.
Wir hatten da eigentlich beide nichts zu suchen. Palitzsch war der Dramaturg des Ensembles, und ich ein junger Schauspieler, der keine Rolle im «Puntila» hatte. Aber da uns keiner wegschickte,...
