Lob der Genügsamkeit

Shakespeare «Sommernachtstraum»

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Damit falsche Vermutungen gar nicht erst aufkommen: Mit Liebe hat das alles nichts zu tun. Hochzeiter Theseus führt seine Braut Hippolyta in Handschellen neben sich her und kann trotzdem nicht sicher sein vor Beiß- und Spuckattacken. Was ihm aber nichts auszumachen scheint, ihm vielleicht sogar gefällt. Und wie der Mann, so sein Staat. Die Ehe ist ein Zwangsinstitut, dem Kloster vergleichbar oder dem Justizvollzug, und unter Androhung dieser beiden wird sie im Bedarfsfall auch erzwungen. Siehe Hermia, Demetrius und die anderen.

Das pantomimische Tableau, in dem Elias Perrig in Stuttgart die Exposition seines auf zweieinviertel Stunden zusammengeschnurrten «Sommernachtstraums» zusammenzieht, ist so plakativ knapp wie szenisch trübselig, könnte aber immerhin als der düstere Hintergrund angelegt sein, vor dem sich die anschließende Flucht ins Freie umso rauschhafter darstellt. Aber nichts da. Zwar machen die vier Verliebten (Gernot Grünewald und Britta Firmer, Sierk Radzei und Verna Fitz) sich auf in den Wald wie eh und je, aber was sie Liebe nennen, das ist doch allenfalls die Folge von Wahrnehmungspannen, das Ergebnis von Sehstörungen, die mit einem Augenreiben zu beheben sind – und ...

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Theater heute Februar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Dorothee Hammerstein

Vergriffen
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