Lob der Genügsamkeit
Damit falsche Vermutungen gar nicht erst aufkommen: Mit Liebe hat das alles nichts zu tun. Hochzeiter Theseus führt seine Braut Hippolyta in Handschellen neben sich her und kann trotzdem nicht sicher sein vor Beiß- und Spuckattacken. Was ihm aber nichts auszumachen scheint, ihm vielleicht sogar gefällt. Und wie der Mann, so sein Staat. Die Ehe ist ein Zwangsinstitut, dem Kloster vergleichbar oder dem Justizvollzug, und unter Androhung dieser beiden wird sie im Bedarfsfall auch erzwungen. Siehe Hermia, Demetrius und die anderen.
Das pantomimische Tableau, in dem Elias Perrig in Stuttgart die Exposition seines auf zweieinviertel Stunden zusammengeschnurrten «Sommernachtstraums» zusammenzieht, ist so plakativ knapp wie szenisch trübselig, könnte aber immerhin als der düstere Hintergrund angelegt sein, vor dem sich die anschließende Flucht ins Freie umso rauschhafter darstellt. Aber nichts da. Zwar machen die vier Verliebten (Gernot Grünewald und Britta Firmer, Sierk Radzei und Verna Fitz) sich auf in den Wald wie eh und je, aber was sie Liebe nennen, das ist doch allenfalls die Folge von Wahrnehmungspannen, das Ergebnis von Sehstörungen, die mit einem Augenreiben zu beheben sind – und ...
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Ein Drei-Minuten-Auftritt nur: Bernhard Minetti 1989 im Berliner Schiller-Theater als abgründig versoffener Mörder und langjähriger Todeskandidat Bernardin in Niels-Peter Rudolphs Inszenierung von Shakespeares «Maß für Maß»: nacktfüßig und -armig, verbockten, verknautschten, listigen Gesichts mit roter Säufernase, so begegnet er der Zumutung, sich nun endlich...
Es ist ja eine sympathische Idee, sechs Personen einfach so mitten aus dem Leben, sprich aus dem real existierenden «Bistro Martino» in Gent zu greifen und auf eine Bühne zu stellen, ohne den Anspruch, die Welt oder sonst etwas zu erklären, und ohne die sechs in eine komplizierte oder gar neben- oder hintersinnige Fabel zu zwängen. Der flämische Theatermacher Arne...
Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von...
