Lob der Genügsamkeit
Damit falsche Vermutungen gar nicht erst aufkommen: Mit Liebe hat das alles nichts zu tun. Hochzeiter Theseus führt seine Braut Hippolyta in Handschellen neben sich her und kann trotzdem nicht sicher sein vor Beiß- und Spuckattacken. Was ihm aber nichts auszumachen scheint, ihm vielleicht sogar gefällt. Und wie der Mann, so sein Staat. Die Ehe ist ein Zwangsinstitut, dem Kloster vergleichbar oder dem Justizvollzug, und unter Androhung dieser beiden wird sie im Bedarfsfall auch erzwungen. Siehe Hermia, Demetrius und die anderen.
Das pantomimische Tableau, in dem Elias Perrig in Stuttgart die Exposition seines auf zweieinviertel Stunden zusammengeschnurrten «Sommernachtstraums» zusammenzieht, ist so plakativ knapp wie szenisch trübselig, könnte aber immerhin als der düstere Hintergrund angelegt sein, vor dem sich die anschließende Flucht ins Freie umso rauschhafter darstellt. Aber nichts da. Zwar machen die vier Verliebten (Gernot Grünewald und Britta Firmer, Sierk Radzei und Verna Fitz) sich auf in den Wald wie eh und je, aber was sie Liebe nennen, das ist doch allenfalls die Folge von Wahrnehmungspannen, das Ergebnis von Sehstörungen, die mit einem Augenreiben zu beheben sind – und ...
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Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties...
Neulich bei Kanzlers zu Hause: Da steht der Chef aller Deutschen mit offenem Hemd und Rotweinglas, und seine Tochter kommt vom Disco-Besuch nach Hause. Der war leider nicht sehr sexy, weil es wohl nichts auf der Welt gibt, wo Personenschutz so peinlich stört wie im Nachtleben. «Papa, wir leben hier wie im Knast», erklärt die Kleine unserem Bundeskanzler und trollt...
Wenn sogar das reiche Burgtheater über Geld redet, muss die Lage wirklich ernst sein. Tatsächlich klagt die Burg neuerdings über finanzielle Sorgen: Weil die Subventionen seit zehn Jahren auf hohem Niveau (43,7 Millionen Euro) stagnieren, wird das Budget eng. In der Spielzeit 2003/04 machte das Burgtheater trotz tadelloser Auslastung 833.000 Euro Defizit; der...
