Zarte Blutspuren
«Leben passiert, Kaffee hilft.» Für viele Menschen stimmt das. Für Hamlet eher nicht. Und doch steht am Rand von Thomas Ruperts Bühnenbild unübersehbar ein Kaffeeautomat. Einer, der nach entsprechendem Münzeinwurf stotternd und seufzend kleine Plastikbecher samt Heißgetränk ausspuckt.
Ab und an zapft sich auch Hamlet daraus einen Kaffee, doch seinem Leben hilft der nicht. Dieses, die gesamte Welt, ist für ihn längst aus den Fugen.
Sein Vater ist von dessen Bruder Claudius ermordet worden und nun regelmäßig als – auch mal singender – Geist (Wolfgang von Borries) präsent. Im grauen Mantel schleicht der über Ruperts wüstleere, düster-graue Bühne. Dann kommt Nebel auf, wird das Licht diffus. Es schaudert Hamlet, der ungläubig danebensteht und seine Sinne mit Koffein zu sortieren versucht.
In der Inszenierung von Alize Zandwijk spielt Emil Borgeest den berühmten Zweifler. Er spielt ihn als Trauernden, mit tief verletzter Seele, die offen liegt wie eine schlecht heilende Wunde. Und er spielt ihn auch als einen, der an dem schlecht vertuschten Mord zer -bricht. Man mag es Wahnsinn nennen, moderner auch: Psychose. Bei Borgeest ist dieser Zustand so konzentriert wie unberechenbar. Mal ist ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Katrin Ullmann
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