Wuteinfälle
Der Wutbürger ist sicher nicht die Rettung der Welt, aber so schlecht wie sein Ruf ist er
noch lange nicht. Nur was uns wirklich in Rage versetzt, werden wir auch ändern.
Sich empören ist nicht des Rätsels Lösung, aber ein vielversprechender Anfang. Deshalb wollten wir von Regisseuren, Schauspielern, Intendanten, Dramaturgen und Autoren wissen, was sie wirklich aufregt. Gefragt war ein Ärgernis freier Wahl, ein zornroter Wuteinfall.
Alles ist erlaubt!
Mutig gewütet haben Björn Bicker, Luc Bondy, Peter Carp, Werner Düggelin, Herbert Fritsch, Sebastian Hartmann, Dennis Kelly, Peter Kern, Oliver Kluck, Shermin Langhoff,
Matthias Lilienthal, Philipp Löhle, Joachim Lux, Armin Petras, René Pollesch, Wiebke Puls, Simon Stephens, Marlene Streeruwitz und Christian von Treskow. Auf den folgenden Seiten lagert reines Dynamit: der Konfliktstoff, der Theaterleute umtreibt, und ein Aufsatz von Diedrich Diederichsen über den Rohstoff Wut.Begleitet wird dieses Jahrbuch von Bildern aus der Wiege der Demokratie. Arno Declair hat sich in Athen umgesehen, als dort eine ganz besondere Wut ausbrach: die Wut auf Europa in Europa, die Wut von uns auf uns – falls wir Europäer sind.
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Wuteinfälle, Seite 1
von
Abwrackprämie und Autoboom, Lehman-Desaster und Griechenland-Krise, Wikileaks-Original und Guttenberg-Plagiat, Revolution in Arabien und Wutbürger in Stuttgart, Super-GAU in Fukushima und in der FDP, verseuchte Lebensmittel und verklärte Grüne, amerikanischer Staatsbankrott und chinesisches Wirtschaftswunder ...
Seit geraumer Zeit fliegen uns die Großereignisse nur...
An manchen Tagen genügt eine Zeitung, um die Zeit zu versammeln. Der 28. März 2011 war so ein Tag, und die Zeitung eine «Süddeutsche». Auf der ersten Seite unten müssen gerade wieder einmal die Arbeiter aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima abrücken, weil ihnen das hochradioaktive Wasser sonst die Füße verbrennt. Oben steht der baden-württembergische...
Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der...
