Todestänze
Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der Darwinzeit … und Sätzen, in denen häufig eine Beunruhigung zurückbleibt» aufgewühlt – so Uwe Bautz über «Juli». Ein Tanz ist es geworden, das neue Stück, ein Totentanz für die, die leben wollen.
«Delhi» heißt er. Und: Das Publikum wird direkt an einer modernen Todesrampe platziert, mit Blick in den Warteraum eines Krankenhauses, einer Klinik, in der unbarmherzig gestorben wird. So als szenisch-dramaturgische Grundformel – gleich mit dem ersten Satz: «Deine Mutter ist tot!» – gnadenlos freundlich überbracht von einer Krankenschwester, die nur ein paar Unterschriften braucht für diesen, ja, ganz formalen Akt.
Todestänze «Delhi» ist weder ein Stück, noch ein Tanz. Und um die Verwirrung komplett zu machen: Es sind gleich sieben Stücke. Sieben Einakter, schön nummeriert und jeder mit einem eigenen Titel: «Jede Bewegung» heißt ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 174
von Stefan Schmidtke
Gerne werden sie von Kritikern übersehen und bleiben unerwähnt, die Kostümbildner(innen), weil es angeblich Wichtigeres im Theater gibt. Aber die Kostüme von Victoria Behr sind einfach nicht zu übersehen, nicht einmal von Kritikern: die Kostümbildnerin des Jahres!
Was ist das für eine Justiz?», könnte man fragen, die eigentlich überzeugt ist von der Schuld einer Gruppe von Angeklagten, denen die vielfache Vergewaltigung und anschließende Ermordung eines fünfjährigen Jungen zur Last gelegt wird, und die doch die Waffen streckt und alle Beschuldigten freispricht, gegen ihre in der Urteilsbegründung geäußerte Überzeugung? «Was...
Mein aktuelles Lieblingsstück gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts verraten möchte. Ich will versuchen, möglichst unzusammenhängende Information zu geben. Der Titel darf genannt werden. Er ist geheimnisvoller als der nebulöseste Kommentar sein kann: «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas». Es existiert noch keine offizielle Übersetzung davon. Der...
