Todestänze

Stefan Schmidtke über Iwan Wyrypajews «Delhi, ein Tanz»

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Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der Darwin­zeit … und Sätzen, in denen häufig eine Beunruhigung zurückbleibt» aufgewühlt – so Uwe Bautz über «Juli». Ein Tanz ist es gewor­den, das neue Stück, ein Totentanz für die, die leben wollen.

«Delhi» heißt er. Und: Das Publikum wird direkt an einer modernen Todesrampe platziert, mit Blick in den Warteraum eines Krankenhauses, einer Klinik, in der unbarm­herzig gestorben wird. So als szenisch-dramaturgische Grundformel – gleich mit dem ers­ten Satz: «Deine Mutter ist tot!» – gnadenlos freundlich überbracht von einer Krankenschwester, die nur ein paar Unterschriften braucht für diesen, ja, ganz formalen Akt.

Todestänze «Delhi» ist weder ein Stück, noch ein Tanz. Und um die Verwirrung komplett zu machen: Es sind gleich sieben Stücke. Sieben Einakter, schön nummeriert und jeder mit einem eigenen Titel: «Jede Bewegung» heißt ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 174
von Stefan Schmidtke

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