Todestänze
Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der Darwinzeit … und Sätzen, in denen häufig eine Beunruhigung zurückbleibt» aufgewühlt – so Uwe Bautz über «Juli». Ein Tanz ist es geworden, das neue Stück, ein Totentanz für die, die leben wollen.
«Delhi» heißt er. Und: Das Publikum wird direkt an einer modernen Todesrampe platziert, mit Blick in den Warteraum eines Krankenhauses, einer Klinik, in der unbarmherzig gestorben wird. So als szenisch-dramaturgische Grundformel – gleich mit dem ersten Satz: «Deine Mutter ist tot!» – gnadenlos freundlich überbracht von einer Krankenschwester, die nur ein paar Unterschriften braucht für diesen, ja, ganz formalen Akt.
Todestänze «Delhi» ist weder ein Stück, noch ein Tanz. Und um die Verwirrung komplett zu machen: Es sind gleich sieben Stücke. Sieben Einakter, schön nummeriert und jeder mit einem eigenen Titel: «Jede Bewegung» heißt ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 174
von Stefan Schmidtke
Ich habe schon das Sekundärdrama erfunden, und jetzt erfinde ich meinetwegen auch noch das Parasitärdrama (man kann es auch Schmarotzerdrama nennen), nein, leider habe nicht ich es erfunden. Ich habe es nicht einmal bewußt gefunden. Ich bin auch schon einmal ein bißchen Abfall für alle gewesen, was absolut gestimmt hat, es war mir nur nicht eingefallen, auch nicht...
Princeton Anfang der 50er Jahre: Täglich verlässt ein ungleiches Freundespaar gegen Abend das Institute for Advanced Study und spaziert, tief in Diskussionen verstrickt, durch die Straßen der beschaulichen Universitätsstadt. Der eine ist der weltberühmte Physiker Albert Einstein, lebenslustig, wohlgenährt, meist ohne Socken unterwegs; sein Begleiter ist Kurt Gödel:...
Peter Handkes «Immer noch Sturm» ist kein Stück, kein Drama, kein Lesedrama, keine Prosa, sondern eine für das Theater gedachte szenische Erzählung. Der Sprache nachhören und sie dennoch szenisch zu vergegenwärtigen, sie ins Figurenspiel zu holen, ohne sie zu verkleinern, dem Theater zu seinem Recht zu verhelfen, ohne die Literatur zu zerstören, ein...
