So wie jetzt und mehr?

Warum das Theater von Konfliktvermeidung auf Konflikterzeugung umstellen und es sich nicht in der Nische bequem machen sollte. Von Franz Wille.

Theater heute - Logo

An manchen Tagen genügt eine Zeitung, um die Zeit zu versammeln. Der 28. März 2011 war so ein Tag, und die Zeitung eine «Süddeutsche». Auf der ersten Seite unten müssen gerade wieder einmal die Arbeiter aus den Trümmern des Atom­kraftwerks Fukushima abrücken, weil ihnen das hochradioaktive Wasser sonst die Füße verbrennt. Oben steht der baden-württembergische Noch-Ministerpräsident Stefan Mappus mit Frau Susanne nach der Stimmabgabe in Pforzheim im Regen und guckt ziemlich säuerlich in die Kamera. Er wurde weniger abgewählt als aus dem Amt gejagt.

Auf Seite drei folgt dann ein Porträt von Matthias Filbinger, dem Sohn des verstorbenen Mappus-Vorvorvorvorgängers Hans Filbinger, den einst seine Nazi-Urteile als furchtbarer Jurist eingeholt hatten und der deshalb zurücktreten musste, was er bis zuletzt nicht einsehen wollte. Sein Sohn ist inzwischen ein Grüner, und zwar aus einem sehr speziellen Grund. Als nämlich der Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde verlegt werden sollte, stand auch ein Fernbusbahnhof im Weg. Und dieser Fernbusbahnhof mit seinen täglich 150 an- und abrückenden Fernbussen sollte von der Landes-CDU ausgerechnet in den ruhigen Stuttgarter Vorort Vaihingen verlegt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Der konstitutive Konflikt, Seite 54
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Totenbeschwörung auf der Insel

Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlas­senwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem...

Lieber konkret

Mit Chören kennt Rita Thiele sich aus, seit sie mit Einar Schleef gearbeitet hat. Und war die Mobilisierung der Kölner Öffent­lichkeit nicht auch eine, wenngleich ungeordnete, Massen-Choreografie? Das Bürgerbegehren, an dessen Spitze sich das Schauspielhaus unter der Intendantin Karin Beier stellte, um den Abriss des Rip­hahn-Gebäudes am Offenbachplatz – trotz...

Generation Internet

Im Jahre 2010 wird in Hollywood die Erfolgsgeschichte des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg verfilmt. Der Held ist ein 20-jähriger Harvardstudent und Internetfreak, der eine virtuelle Plattform errichtet, auf der sich Menschen im Internet in einem selbsterstellten Profil darstellen und per Mausclick mit Hunderten von anderen Menschen Freundschaften schließen können....