So wie jetzt und mehr?
An manchen Tagen genügt eine Zeitung, um die Zeit zu versammeln. Der 28. März 2011 war so ein Tag, und die Zeitung eine «Süddeutsche». Auf der ersten Seite unten müssen gerade wieder einmal die Arbeiter aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima abrücken, weil ihnen das hochradioaktive Wasser sonst die Füße verbrennt. Oben steht der baden-württembergische Noch-Ministerpräsident Stefan Mappus mit Frau Susanne nach der Stimmabgabe in Pforzheim im Regen und guckt ziemlich säuerlich in die Kamera. Er wurde weniger abgewählt als aus dem Amt gejagt.
Auf Seite drei folgt dann ein Porträt von Matthias Filbinger, dem Sohn des verstorbenen Mappus-Vorvorvorvorgängers Hans Filbinger, den einst seine Nazi-Urteile als furchtbarer Jurist eingeholt hatten und der deshalb zurücktreten musste, was er bis zuletzt nicht einsehen wollte. Sein Sohn ist inzwischen ein Grüner, und zwar aus einem sehr speziellen Grund. Als nämlich der Stuttgarter Hauptbahnhof unter die Erde verlegt werden sollte, stand auch ein Fernbusbahnhof im Weg. Und dieser Fernbusbahnhof mit seinen täglich 150 an- und abrückenden Fernbussen sollte von der Landes-CDU ausgerechnet in den ruhigen Stuttgarter Vorort Vaihingen verlegt ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Der konstitutive Konflikt, Seite 54
von Franz Wille
PARRHESIA
die institutionalisierung der beichte in europa im 13. jahrhundert ist wohl der zentrale punkt der christlichen übernahme des griechischen prinzips des «kümmerns um sich selbst» (epimeleia heautou). diese sorge um sich selbst wurde bei den griechen anders praktiziert. hier bedurfte es keines beamteten priesters, sondern eines älteren freundes, eines...
I.
Dem Wunsch der Redaktion nach einem Wutanfall und ungezügelter Wut muss ich wie folgt begegnen: Selbst mir, dem durch sich abwechselnde und ergänzende Ungeduld und Verschlafenheit viel entgeht, konnte unmöglich entgehen, dass ich mich durch eigenes Zutun offensichtlich zum Wutlieferanten qualifiziert habe.
Dazu ist zunächst einmal anzumerken, dass es mir...
Paulus Hochgatterer, 1961 in Amstetten geboren, ist ein bekannter Facharzt und einer der besten Prosaautoren Österreichs. Er ist Arzt für Psychiatrie und Neurologie des Kindes- und Jugendalters und seit einigen Jahren Primar an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tulln/Niederösterreich. Als Facharzt ist er ein sehr gefragter Spezialist und das nicht nur in...
