«Would you like to see my cervix?»
I was thinking, what could I do to give something back to this wonderful city and the wonderful people here?», leitet die Performancekünstlerin Annie Sprinkle den wohl spektakulärsten Teil ihrer legendären Performance «Post Porn Modernist» ein. «I thought maybe I could show you all my cervix. It’s a lot of fun and I think you’d all enjoy it. Would you like to see it?»
Die Reaktionen des Publikums auf das eigenwillige Angebot der Performerin fielen erwartungsgemäß recht unterschiedlich aus.
Während einige Zuschauer*innen das New Yorker Harmony Theater einfach verließen, in dem Sprinkle ihre Sex Performance 1989 zum ersten Mal zeigte, andere auf ihren Stühlen sitzen blieben (der berühmte, selbst durch unbekleidete Bühnenrituale bekannt gewordene Theatermacher Richard Schechner beispielsweise, weil er befürchtete, als sexistischer Voyeur wahrgenommen zu werden), nutzten andere die ihnen angebotene Taschenlampe, um durch ein Spekulum Sprinkles Gebärmutterhals zu betrachten. Was teilweise erstaunliche individuelle Einsichten zeitigte: «It looks just like the head of my penis!»
Ob- oder Onszön?
Der Theaterwissenschaftlerin und -macherin Lea-Sophie Schiel dient Sprinkles sexuell ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 48
von Anja Quickert
Das Tal des Todesschattens, der über diesem Abend im Gorki Theater liegt, ist blendend weiß. Vier alarmbewehrte Stufen führen zum Spielfeld, das ein Vorfeld ist. Dahinter, versteckt hinter weißen Schnüren, liegt verschwommen eine Intensivstation, aus der Beatmungsgeräusche dringen (Bühne: Magda Willi). Wir sind im aerosolgesicherten Corona-Theater, und sein Hüter...
Dieses Buch ist selbst wie eine Bühne. Ein Paket von fast 3 kg, auf dem Umschlag ein junger Roberto Ciulli, clownesk geschminkt, Zigarre in der Hand, melancholisch ins Weite blickend. Fremd, verführerisch. Ein Titelbild, das spüren lässt, wie schockverliebt der Verleger Alexander Wewerka war, als er Ciulli erstmals in Mülheim sah, jener von Berlin aus so entlegen...
Seine Kreditkarten waren schon so gut wie ausgereizt, als Ayad Akhtar vor ein paar Jahren auf der Rückfahrt nach New York die Zylinderkopfdichtung durchbrannte. Und ihn zu einem Stopp in einem Provinzkaff namens Scranton zwang, wo er den subtilen Rassismus weißer Amerikaner zu spüren bekam, die ihn in Gestalt eines örtlichen Polizisten und dessen befreundetem...
