Die Frau ist selbstgemacht
Am Anfang ist das Wort. Nicht das der Befragerin, Dorte Lena Eilers, sondern das der Befragten: Valery Tscheplanowa. Sie spricht, in fünf Gedichten, die tief blicken lassen in eine eigenständige, zerrissene Seele: «Und Wache halt ich / Adler Echo, über Dich / Der Du den Aufbruch wagst ins Eigne».
Es folgt ein langes Gespräch, das auf 130 Seiten immer weiter vordringt ins Eigene der russischstämmigen Schauspielerin, geboren 1980 in Kasan, 800 km östlich von Moskau.
Wobei Eilers vor allem als bestätigendes Echo und Faktenlieferantin fungiert.
Wo es langgeht und wohin, bestimmt Tscheplanowa. Der Gesprächsverlauf mändert von Salzburg, wo sie 2019 im «Jedermann» die Buhlschaft spielte (und nur als Tod zurückkehren würde), zum russischen Schamanen in der verschneiten Hütte im Wald und dem deutschen Alleinunterhalter, in den sich die Mutter auf einem Kreuzfahrtschiff verliebt: die «Groschenroman-Episode». Er lockte Mutter und die 8-jährige Valery ins schleswig-holsteinische Kaff, aus dem Land der Emotion ins Land der Reflektion, wie Tscheplanowa die zwei Seelen in ihrer Brust beschreibt.
Das Patchwork aus Erinnerungen, Anekdoten, Reflektionen hat ein klares Ziel im Auge, und das heißt: ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 47
von Barbara Burckhardt
Figuren:
Mutter
Vater
Alter Ego
Oma (AnneAnne)
Oma (Breslau)
Opa (Autor)
Tante
Onkel
Uroma (Breslau)
uvm.
* 1914
Alter Ego Mein Urgroßvater
1914
Er überspringt die Barrikaden
es gibt einen Knall
er rennt
JETZT GEHT ES LOS
Der Himmel verdunkelt sich
oben und unten sind nicht zu trennen
er rennt
Irgendwas saust an ihm vorbei
ein Balken
Dann springt jemand vor ihm...
Winterschlaf. Nicht die dümmste Option in Tagen wie diesen, in denen eine Pandemie und ein US-Präsident das kollektive Bewusstsein trüben wie Nebel den Zürichsee. Nur: Genau genommen braucht die Ich-Erzählerin in Ottessa Moshfeghs Roman keinen äußeren Anlass für die totale Auszeit. Es reicht völlig, dass endlich nichts mehr an ihr gezupft, gewachst, gebleicht,...
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