Alles für die Fische

Nikolaus Habjan inszeniert am Akademietheater «Der Leichenverbrenner» von Franzobel nach Ladislav Fuks, Itay Tiran nimmt sich am Burgtheater Taboris Farce «Mein Kampf» vor, Barbara Frey legt die traurige Komik von Anna Gmeyners «Automatenbüffet» offen.

Theater heute - Logo

Angst im Theater? Kein Genre scheint so ungeeignet für die Bühne wie der Horror. Brutaler Realismus funktioniert selten, weil ohnehin klar ist, dass die Akteure am Ende putzmunter zum Applaus antreten werden. Splatter ist etwas fürs Kino. Wäre da nicht der Wiener Puppenspieler Nikolaus Habjan, der schon öfter das Gegenteil beweisen konnte: Selten hat man brutalere, zartere, überraschendere Todesfälle erlebt als in seinen Inszenierungen.

Das Paradoxon seiner Klappmaulpuppen: Man weiß, dass es sich um leblose Materie handelt, die da gefoltert und getötet wird, aber hat mit­unter mehr Mitleid als mit echten Schauspielern*innen.

Dieses Argument mag mitgespielt haben, wenn Habjan nun im Akademietheater die Dramatisierung einer tschechischen Horror-Novelle zeigt, an dessen Ende die Auslöschung einer ganzen Familie steht. «Der Leichenverbrenner» (1967) von Ladislav Fuks spielt in den 1930er Jahren in einem städtischen Krematorium. Die Nationalsozialisten okkupieren im Laufe der Geschichte die Tschechoslowakei, aus dem braven Familienmenschen und Ästheten Karl Kopfrkingl, der weder Alkohol trinkt noch raucht, der an den Dalai Lama und die Wiedergeburt glaubt, wird ein Monster, das seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Karin Cerny

Weitere Beiträge
Die Frau ist selbstgemacht

Am Anfang ist das Wort. Nicht das der Befragerin, Dorte Lena Eilers, sondern das der Befragten: Valery Tscheplanowa. Sie spricht, in fünf Gedichten, die tief blicken lassen in eine eigenständige, zerrissene Seele: «Und Wache halt ich / Adler Echo, über Dich / Der Du den Aufbruch wagst ins Eigne».

Es folgt ein langes Gespräch, das auf 130 Seiten immer weiter...

Akın Emanuel Şipal: MUTTER VATER LAND

Figuren:

Mutter
Vater
Alter Ego
Oma (AnneAnne)
Oma (Breslau)
Opa (Autor)
Tante
Onkel
Uroma (Breslau)

 

uvm.

 

* 1914

Alter Ego Mein Urgroßvater
1914
Er überspringt die Barrikaden
es gibt einen Knall
er rennt
JETZT GEHT ES LOS
Der Himmel verdunkelt sich
oben und unten sind nicht zu trennen
er rennt
Irgendwas saust an ihm vorbei
ein Balken
Dann springt jemand vor ihm...

Salzburg Landestheater (ORF-Landesstudio): Neueste Nachrichten von 1976

Dass der prominente englische Dramatiker und Drehbuchautor Lee Hall («The Pitmen Painters», «Billy Elliot») als Autor des Stücks «Network» firmiert, mutet seltsam an. Hall hat Sidney Lumets Film aus dem Jahr 1976 bloß für die Bühne adap­tiert, ohne am Oscar-prämierten Drehbuch von Paddy Chayefsky groß etwas zu ändern. Zumindest in unseren Breiten wäre das ein Fall...