Alles für die Fische
Angst im Theater? Kein Genre scheint so ungeeignet für die Bühne wie der Horror. Brutaler Realismus funktioniert selten, weil ohnehin klar ist, dass die Akteure am Ende putzmunter zum Applaus antreten werden. Splatter ist etwas fürs Kino. Wäre da nicht der Wiener Puppenspieler Nikolaus Habjan, der schon öfter das Gegenteil beweisen konnte: Selten hat man brutalere, zartere, überraschendere Todesfälle erlebt als in seinen Inszenierungen.
Das Paradoxon seiner Klappmaulpuppen: Man weiß, dass es sich um leblose Materie handelt, die da gefoltert und getötet wird, aber hat mitunter mehr Mitleid als mit echten Schauspielern*innen.
Dieses Argument mag mitgespielt haben, wenn Habjan nun im Akademietheater die Dramatisierung einer tschechischen Horror-Novelle zeigt, an dessen Ende die Auslöschung einer ganzen Familie steht. «Der Leichenverbrenner» (1967) von Ladislav Fuks spielt in den 1930er Jahren in einem städtischen Krematorium. Die Nationalsozialisten okkupieren im Laufe der Geschichte die Tschechoslowakei, aus dem braven Familienmenschen und Ästheten Karl Kopfrkingl, der weder Alkohol trinkt noch raucht, der an den Dalai Lama und die Wiedergeburt glaubt, wird ein Monster, das seine ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Karin Cerny
Der Ärger ist groß, die Einsicht noch größer. Wer sich umhört unter den Leiter*innen von Stadttheatern und Produktionshäusern, vernimmt schweres Zähneknirschen über den unerwarteten zweiten Lockdown der Bühnen. Viele fühlen ihre Häuser ungerecht behandelt. Schließlich habe man funktionierende Hygienekonzepte vor und hinter der Bühne erarbeitet, die peinlichst...
Figuren:
Mutter
Vater
Alter Ego
Oma (AnneAnne)
Oma (Breslau)
Opa (Autor)
Tante
Onkel
Uroma (Breslau)
uvm.
* 1914
Alter Ego Mein Urgroßvater
1914
Er überspringt die Barrikaden
es gibt einen Knall
er rennt
JETZT GEHT ES LOS
Der Himmel verdunkelt sich
oben und unten sind nicht zu trennen
er rennt
Irgendwas saust an ihm vorbei
ein Balken
Dann springt jemand vor ihm...
«Dies ist eine Bühne» – so sorgfältig wird man zu Beginn schon informiert. Dann lernt man: «Dies ist Rosa Enskat. Sie ist eine Schauspielerin.» Brechts Lehrtheater wird fein ironisiert. Während der Vorstellungsrunde fahren die Figuren auf der Drehbühne an uns vorbei wie Figuren in einem Glockenspiel oder einem Wachsfigurenkabinett, jede mit einer charakteristischen...
