Wölfische Zeiten

Stück des Monats März: Dea Lohers «Diebe», uraufgeführt von Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater Berlin.

Theater heute - Logo

Dea-Loher-Rezipienten lassen sich pauschal in zwei Gruppen teilen. Die einen, nennen wir sie Realisten, finden nach der Lektüre oder dem Besuch ihrer Stücke: So ist das Leben. Spätestens unterm Strich sind wir schließlich alle Enttäuschte, Traumatisierte, Gekränkte, Versehrte, vom Schicksal Betrogene und irgendwann Tote, und Dea Lohers Dramatik verleiht dieser wenig hoffnungsvollen Welttatsache auf poetische und pathetische Weise Würde. Die anderen – Idealisten vermutlich – wissen zwar auch, dass das Leben auf den Tod hinausläuft.

Aber sie finden die Spielräume, die sich dem Men­schen zwischen Anfang und Ende auftun, weitaus weiter und vor allem interessanter, als Lohers Stücke es nahelegen. Die Illusion von Entscheidungsfreiheit und das Leiden an ihrer Abwesenheit, von der die 45-Jährige in kunstvoll verflochtenen Handlungssträngen erzählt, erscheint wiederum ihnen zynisch. Oder unfreiwillig komisch. 

 


Video: DT-Schauspieler Helmut Mooshammer liest aus «Diebe» von Dea Loher.

 

 

 

 

 

 

 

Wölfische Zeiten


Auch «Diebe», ihr jüngster Theatertext (vgl. Stückabdruck in diesem Heft), schürzt einen düsteren Schicksalsknoten. Doch bevor es dazu kommt, breitet Dea Loher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Theater im TV

Fernsehen

 

Montag, 1.

 

21.15, Theaterkanal: Gero von Boehm begegnet: Christoph Schlingensief 

 

Dienstag, 2.

 

17.25, Theaterkanal: faust on speed – ein Faust remix ­– nach Goethe, mit dem Ensemble des Koblenzer Jugendtheaters. Aufzeichnung 

aus der Akademie für Darstellende Kunst, 

Ludwigsburg (2009) 

19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften: das 

Theater...

Schlimm, ganz schlimm

Früher wurden noch Witze über Ostfriesen, Blondinen, Politiker oder die DDR gerissen – heute ist der Gutmensch die Zielscheibe des gepflegten Spotts. Denn hinter dem Anspruch, auch noch die beste aller Welten zu verbessern, vermuten Skeptiker nicht ganz zu Unrecht unlautere Motive. Autorin Ingrid Lausund macht gleich fünf solcher selbsternannter Menschheitsretter...

Höher, weiter, schneller

In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden...