Höher, weiter, schneller

Ibsen «Peer Gynt»

Theater heute - Logo

In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden Menschen komprimiert das Thema der fulminanten «Peer-Gynt»-Inszenierung von Roger Vontobel am Grillo Theater Essen: Verloren, ohne greifbares Gegenüber, treiben den Protagonisten seine inneren Gespenster um.

 
 

Auf zweieinviertel Stunden eingedampft, entschlackt von szenischem Beiwerk und Märchenkolorit, wird das Mammutstück zu einer Parabel auf den modernen Menschen und seinen Selbstverwirklichungsdrang –  und Florian Lange als Peer Gynt ist ein Ereignis. Er ist kein schwärmerischer, realitätsferner Luftikus, sondern einer, der Kraft hat, aber sie nicht gezielt einsetzen kann. Immer wieder verliert er das Maß und wird dabei selbst beschädigt. 
 

Die Bühne von Claudia Rohner ist leer bis zur Brandmauer. Einzig ein paar Farbtöpfe, Bierkästen und ein multifunktionales Holzgestell stehen herum. Doch der abstrakte Schauplatz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2010
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Natalie Bloch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lebt man ewig so?

Was im Berlinale-Special läuft, ein buntes Bukett von Historischem, Neuem, gern auch gala-mäßig im Friedrichstadt-Palast, sucht Berlinale-Chef Dieter Kosslick höchstpersönlich aus. Dieser Umstand verspricht eher kulina­risches Kino (eine ganze Reihe unter diesem Titel, mit Abendessen kombiniert, gibt es mittlerweile auch). Auch gelungene Hausmannskost findet hier...

Schlimm, ganz schlimm

Früher wurden noch Witze über Ostfriesen, Blondinen, Politiker oder die DDR gerissen – heute ist der Gutmensch die Zielscheibe des gepflegten Spotts. Denn hinter dem Anspruch, auch noch die beste aller Welten zu verbessern, vermuten Skeptiker nicht ganz zu Unrecht unlautere Motive. Autorin Ingrid Lausund macht gleich fünf solcher selbsternannter Menschheitsretter...

Muntere Ritterspiele

Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisa­tions-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroß­taten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht. 
 

Einer, der die...