Höher, weiter, schneller

Ibsen «Peer Gynt»

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In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden Menschen komprimiert das Thema der fulminanten «Peer-Gynt»-Inszenierung von Roger Vontobel am Grillo Theater Essen: Verloren, ohne greifbares Gegenüber, treiben den Protagonisten seine inneren Gespenster um.

 
 

Auf zweieinviertel Stunden eingedampft, entschlackt von szenischem Beiwerk und Märchenkolorit, wird das Mammutstück zu einer Parabel auf den modernen Menschen und seinen Selbstverwirklichungsdrang –  und Florian Lange als Peer Gynt ist ein Ereignis. Er ist kein schwärmerischer, realitätsferner Luftikus, sondern einer, der Kraft hat, aber sie nicht gezielt einsetzen kann. Immer wieder verliert er das Maß und wird dabei selbst beschädigt. 
 

Die Bühne von Claudia Rohner ist leer bis zur Brandmauer. Einzig ein paar Farbtöpfe, Bierkästen und ein multifunktionales Holzgestell stehen herum. Doch der abstrakte Schauplatz ...

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Theater heute März 2010
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Natalie Bloch

Vergriffen
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