«Wo ich bin, ist keine Provinz»
Der Regisseur und Intendant Christoph Schroth, der im September nach langer Krankheit starb, zählte zu den wichtigen, unorthodox marxistisch argumentierenden Theaterleuten der DDR, dem die große Karriere eines Benno Besson oder Giorgio Strehler versagt blieb, dessen Inszenierungen erst sehr spät zu Auslandsgastspielen und zum Westberliner Theatertreffen eingeladen wurden.
Christoph Schroth liebte das Theater und die Menschen. Er war offen für alle Anregungen, für neue Erkenntnisse und unerkannte Zusammenhänge. Er war kein Opportunist, ihm lag an Auseinandersetzungen.
In der «Provinz» zu leben oder am Theater in einer Provinzstadt zu arbeiten, schreckte ihn nicht ab, denn selbstbewusst und nicht ohne Humor verkündete er: «Wo ich bin, ist keine Provinz.» Wenn er in Halle, Schwerin, Cottbus oder in Berlin inszenierte, sorgte er für lebendiges, zeitkritisches, ermutigendes Theater.
Es war ein kulturpolitischer Fehler, ihn nach der Wende nicht zum Intendanten des BE zu machen, denn er war ein DDR-treuer, marxistischer Freigeist, kein «Wendehals». Jürgen Flimm würdigte 2003 Schroth zum Ende seiner Cottbusser Intendanz: «Christoph Schroth ist wohl eher ein altmodischer Zeitgenosse, der ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Nachruf, Seite 44
von Klaus Völker
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