Im Wald baden gegangen
Immer wenn es das Establishment mit Gier, Ressentiment und Gewinnmaximierung auf die Spitze treibt – und dabei an seine Grenzen stößt –, wird die Sehnsucht nach einem Ort, der nicht Law and Profit bedient, sondern Fantasie, Gemeinschaftssinn, mitunter auch Rausch und Wahn, besonders groß. Wie ein solches Außen entspannter Anarchie und sorgefreien Dahinlebens zu definieren ist, ob sozial-ökologisch alternativ, divers, esoterisch oder anarchisch, ließe sich diskutieren.
Im Erfolgsstück des britischen Dramatikers Jez Butterworth ist es ein illegal im Wald geparktes Wohnmobil, in dem der Ex-Motorrad-Stuntman Jonny «Rooster» Byron seit Jahrzehnten ein bekifft-versifftes Lotterleben führt. Bei ihm fühlt sich vor allem die Jugend aus der Umgebung wohl, weil er sie zu moderaten Preisen mit Drogen versorgt, mit abenteuerlichen Geschichten unterhält und ansonsten in Ruhe lässt. Doch jetzt hat sich eine schmucke Neubausiedlung nah an das verwunschene Aussteigerrefugium herangefressen, und die Gemeindeverwaltung will endlich die Räumung des verführerischen Schandflecks durchsetzen. Ein Fest im Dorf ist zugleich der letzte Abend für Lord Byrons kleines Außenseiter-Reich.
Entstanden ist ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Silvia Stammen
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