Im Wald baden gegangen
Immer wenn es das Establishment mit Gier, Ressentiment und Gewinnmaximierung auf die Spitze treibt – und dabei an seine Grenzen stößt –, wird die Sehnsucht nach einem Ort, der nicht Law and Profit bedient, sondern Fantasie, Gemeinschaftssinn, mitunter auch Rausch und Wahn, besonders groß. Wie ein solches Außen entspannter Anarchie und sorgefreien Dahinlebens zu definieren ist, ob sozial-ökologisch alternativ, divers, esoterisch oder anarchisch, ließe sich diskutieren.
Im Erfolgsstück des britischen Dramatikers Jez Butterworth ist es ein illegal im Wald geparktes Wohnmobil, in dem der Ex-Motorrad-Stuntman Jonny «Rooster» Byron seit Jahrzehnten ein bekifft-versifftes Lotterleben führt. Bei ihm fühlt sich vor allem die Jugend aus der Umgebung wohl, weil er sie zu moderaten Preisen mit Drogen versorgt, mit abenteuerlichen Geschichten unterhält und ansonsten in Ruhe lässt. Doch jetzt hat sich eine schmucke Neubausiedlung nah an das verwunschene Aussteigerrefugium herangefressen, und die Gemeindeverwaltung will endlich die Räumung des verführerischen Schandflecks durchsetzen. Ein Fest im Dorf ist zugleich der letzte Abend für Lord Byrons kleines Außenseiter-Reich.
Entstanden ist ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Silvia Stammen
Irgendwann steht Jens Harzer an der Rampe und erzählt Naturwissenschaftler-Witze. «Was soll man machen, wenn man ein hellgrünes Alien sieht? Warten, bis es reif ist.» Dann lacht er affek -tiert, und die Zuschauer:innen im Hamburger Thalia Theater lachen freundlich mit. Das gibt einen kleinen Hinweis darauf, wie viel das Publikum Robert Wilson zu vergeben bereit...
Schlechte Zeiten für Helden beim Spielzeitauftakt am Schauspiel Nürnberg. Don Karlos ist und bleibt der im politischen Familienkampf Unterlegene; Odysseus taugt nicht zum mutigen Vorbild: zwei Männer mithin, die in den Inszenierungen Opfer der Verhältnisse und auch der Frauen werden. Da können sie noch so auf Ehre und Moral pochen, mögen sich herausreden und ihre...
Der Regisseur und Intendant Christoph Schroth, der im September nach langer Krankheit starb, zählte zu den wichtigen, unorthodox marxistisch argumentierenden Theaterleuten der DDR, dem die große Karriere eines Benno Besson oder Giorgio Strehler versagt blieb, dessen Inszenierungen erst sehr spät zu Auslandsgastspielen und zum Westberliner Theatertreffen eingeladen...
