Raum des Mehr
Wir muten uns dem Planeten, der Natur, allen anderen Lebewesen so gnadenlos zu, dass ein persönlicher Verzicht eigentlich gar keine Kategorie mehr sein kann. Wir greifen nach immer mehr, wollen immer mehr Macht in allen Bereichen. Wir richten uns in immer höheren Ansprüchen ein, deren minimale Reduzierung uns dann schon als Opfer erscheint. Wirklicher Verzicht müsste eine vollkommen andere Lebensweise sein.
In Finegan Kruckemeyers großer Dys -topie – oder doch eben Utopie «Der lange Schlaf» wird die Menschheit ein Jahr lang komplett ruhig gestellt – wie ausgeschaltet.
Ohnmächtiger Schlaf, tatenlose Stille. Keine Ansprüche mehr, kein Greifen nach der Macht. Das Ende des Anthropozäns wird eindrucksvoll und dabei sehr poetisch imaginiert. Die Tiere, Pflanzen, Organismen holen sich die durch die sogenannte Zivilisation gequälten Räume zurück. Rost befällt die Stahlgerippe der Hochhäuser, Pflanzen erklettern Fassaden, das Wasser unterspült die Städte, und die Vögel sind überall. Die Spuren des Menschen sind überraschend schnell beseitigt. Wir machen einfach mal gar nichts mehr und nehmen unser monströses Ego zurück – das wäre vermutlich der angebrachte Ausdruck von Demut. Und im Grunde ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 60
von Kathrin Mädler
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Die Film- und Tonsociété Cypressenburg hat schon bessere Tage gesehen. Carl Carl – genannt CC –, legendärer Film- und Mu -sikproduzent und Chef der Firma, muss sein Büro im Orchesteraufnahmesaal einrichten. Das Studio wird umgebaut, und die übergeordnete Holding sucht nach einer neuen Konzernleitung. Es sind Zeiten des Umbruchs in der Unterhaltungsbranche. Wir...
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