Raum des Mehr

Kathrin Mädler will nicht verzichten, sondern über andere Lebensweisen nachdenken

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Wir muten uns dem Planeten, der Natur, allen anderen Lebewesen so gnadenlos zu, dass ein persönlicher Verzicht eigentlich gar keine Kategorie mehr sein kann. Wir greifen nach immer mehr, wollen immer mehr Macht in allen Bereichen. Wir richten uns in immer höheren Ansprüchen ein, deren minimale Reduzierung uns dann schon als Opfer erscheint. Wirklicher Verzicht müsste eine vollkommen andere Lebensweise sein.

In Finegan Kruckemeyers großer Dys -topie – oder doch eben Utopie «Der lange Schlaf» wird die Menschheit ein Jahr lang komplett ruhig gestellt – wie ausgeschaltet.

Ohnmächtiger Schlaf, tatenlose Stille. Keine Ansprüche mehr, kein Greifen nach der Macht. Das Ende des Anthropozäns wird eindrucksvoll und dabei sehr poetisch imaginiert. Die Tiere, Pflanzen, Organismen holen sich die durch die sogenannte Zivilisation gequälten Räume zurück. Rost befällt die Stahlgerippe der Hochhäuser, Pflanzen erklettern Fassaden, das Wasser unterspült die Städte, und die Vögel sind überall. Die Spuren des Menschen sind überraschend schnell beseitigt. Wir machen einfach mal gar nichts mehr und nehmen unser monströses Ego zurück – das wäre vermutlich der angebrachte Ausdruck von Demut. Und im Grunde ...

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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 60
von Kathrin Mädler

Weitere Beiträge
Heimat Sprache

Die frühen Jahre
Ausgesetzt In einer Barke von Nacht
Trieb ich
Und trieb an ein Ufer.

An Wolken lehnte ich gegen den Regen.
An Sandhügel gegen den wütenden Wind.
Auf nichts war Verlaß.
Nur auf Wunder.
Ich aß die grünenden Früchte der Sehnsucht,
Trank von dem Wasser das dürsten macht.

Ein Fremdling, stumm vor unerschlossenen Zonen,
Fror ich mich durch die finsteren...

Uraufführungen 2023/23

Nora Abdel-Maksoud
Doping (Münchner Kammerspiele) 
Sina Ahlers
Sie sagen Täubchen, ich sag Taube (Landestheater Detmold) 
Emre Akal
Goldie (Schauspiel Leipzig) 
Sally Anger und Konstantin Küspert
Chemie bringt Brot, Wohlstand und Schönheit (AT) (Junges Nationaltheater Mannheim) 
Lola Arias
Happy Nights (Theater Bremen) 
Pavlo Arie, Martín Valdés-Stauber und...

Zwecke der Kunst

Selbstsicherheit klingt anders. «Liebe ich es nicht mehr oder liebe ich es zu sehr?», fragt Sivan Ben Yishai mit einem alten Roland-Barthes-Zitat im Untertitel ihrer «Bühnenbeschimpfung» und macht der moralischen Anstalt die Rechnung auf: die großen und kleinen Widersprüche zwischen den meist hehren Anliegen, die auf der Bühne verfochten werden, und den nicht immer...