Ein Punkt im Raum
Ein Vater, eine Tochter im Säuglingsalter und eine (Ur-)Großmutter auf der Flucht vor der Trauer – so beginnt das neueste Stück von Wolfram Höll. Die Frau, die Mutter, die Tochter ist bei einem Autounfall tödlich verunglückt, und das trauernde Trio macht sich auf eine lange Autobahnfahrt, von Sachsen durch Landschaften, Tunnels, bis zum Zielort: ein kleines Dorf in den Schweizer Alpen, wo sich die Restfamilie niederlassen wird. Emotional riskant ist diese Flucht, weil sie gleichzeitig in die Trauer hineinführt, weil dieses Dorf der Heimatort der Familie der Verstorbenen ist.
Das Haus, in das man zieht, die Felder, die alten Großtanten, alles schmeckt nach Erinnerung an sie.
Angekommen am Zielort, sehen sich die drei erstmal einer geballten Fremdheitserfahrung ausgesetzt. Misstrauisch wird hier alles Neue beäugt, nicht nur von den letzten verbliebenen Bewohnern des schrumpfenden Dorfes; auch die Häuser haben Augen, werden zu belebten Wesen, die ins Tal geschmiegt lauern – die kleine Tochter ist die einzige, die ihren Blick erwidert, während der Vater stumm versucht, sich und dem Dorfbewusstsein zu beweisen, dass ein alleinstehender Mann sich um ein kleines Kind kümmern kann. Und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 154
von Georg Mellert
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 64. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Katja Podzimski
Gestaltung
Christian Henjes
Redaktionsanschrift
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10, Fax...
2023 werden voreilig «postpandemische Zeiten» ausgerufen, und daher erscheint Marcus Peter Teschs neues Stück genau zur richtigen Zeit. Während alle Welt sich noch mit künftigen Pandemien in Folge des Corona-Virus beschäftigt und sich im Glauben wiegt, für kommende Pandemien besser gewappnet zu sein, lenkt Tesch den Blick auf eine andere Pandemie. Seit 1983 ist...
Gleich zu Beginn des Jahrtausends hat BP folgende rhetorische Frage mit 250 Millionen Werbeetat ins Rennen geschickt: Sollten wir nicht alle individuell was ändern müssen? Wir, die Konsum-Mäuse, anstelle der großen Player. Ab 2001 jedenfalls konnte maus auf der BP-Website nachrechnen, was für einen Fußabdruck sie täglich hinterließ. So ein Käse! Die großen...
