Wir sprechen schon wieder Unsinn
Als Claus Peymann 1966 die Uraufführung von Peter Handkes «Publikumsbeschimpfung» in Frankfurts kleinem Theater am Turm inszenierte, war Handke 23 Jahre alt. 23 Jahre, das ist ein Alter, in dem man sich leidenschaftlich über die Zustände aufregen darf, als ob man als Einziger den Durchblick habe und entsprechend berufen sei, das Alte zu zerstören, um den Weg für das Neue zu bereiten.
«Publikumsbeschimpfung» ist eine jugendliche Wutrede, eine Beschimpfung weniger des Publikums (das wird tatsächlich nur am Ende eher pflichtschuldig angegangen) als des Theaters, das Handke damals anscheinend vor allem als Repräsentationstheater wahrgenommen hatte, als Kunst, die auf Abbildung und Imitation setzte. Ein Theater, das es vor 60 Jahren zweifellos gab – aber so ein monolithischer Block, gegen den man anrennen musste, war die Theaterwelt schon damals nicht mehr. Dass Handke in seiner Wut alle vorangegangenen ästhetischen Erneuerungsversuche ignorierte, sagt eben vor allem etwas darüber aus, wie wenig der 23-Jährige tatsächlich vom Theater wusste. Aber, wie gesagt: Mit 23 darf man das.
Sperrangelweitoffene Türen
Jedenfalls kann man aus der Rückschau feststellen, dass Handke (und mit ihm ...
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Theater heute März 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Falk Schreiber
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