Wir spielen ja nur
Noch einen Tag vor der Premiere machte das Gerücht die Runde, man habe sich bei Leander Haußmanns «Hamlet» auf viereinhalb Stunden Dauer einzustellen. Dreieinhalb waren es dann am Premierenabend tatsächlich. Welcher 60-Minuten-Block ließ sich wohl so folgenlos kurzfristig entfernen?
Gut möglich, dass es «Die Mausefalle» war, das Stück im Stück, das Hamlet inszeniert, um Stiefvater Claudius des Mordes am Königsbruder und Hamletvater zu überführen.
Den Teil brauchte Haußmann nicht unbedingt (und hatte ihn sicher überpurzelnd ausgesponnen), denn Theatertheater auf dem Theater war dieser ganze Abend sowieso, der sich um Rezeptionsgewohnheiten – Hamlet, der größte Zauderer der Weltgeschichte – nicht scheren mochte. Haußmanns Hamlet bzw. der von Christopher Nell hält nichts vom Zaudern, da passiert ja nichts. Aus dem Lesestück, das Goethe einst im «Hamlet» sah, das man «weder durch schickliche noch unschickliche Darstellung» zurichten solle, machen Haußmann und sein Hänfling-kleiner und schmaler Hauptdarsteller Christopher Nell ungehemmt das Gegenteil: die ADHS-Version eines jungen Mannes, den das blöde Los, den Vaterrächer spielen zu müssen und dafür die schöne Lovestory mit ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Barbara Burckhardt
Es ist schön, dass Markus Heinzelmann seine jahrelang in Jena geschärfte Lust an der hemmungslosen dramatischen Übertreibung nun wieder öfters auch an anderen Stadttheatern ausleben darf. Wolfram Lotz’ «Einige Nachrichten an das All» kommen da gerade recht, und Heinzelmann greift in die volle Absurditäten-Kiste, lässt es ohne Rücksicht auf Geschmacksverluste...
Ein Mann in bequemen Alltagsklamotten liegt, an die Wand des White Cubes gedrückt, auf dem Boden. An der gegenüberliegenden Wand beugt sich ein Tänzer nach unten, berührt mit gestrecktem Arm den Boden und streckt zugleich den anderen Arm nach oben, als wollte er die Spannweite seiner Arme messen. Eine Frau singt an der Rückwand des Raumes, und vorn erzählt gerade...
Auch nach diesem «Idiot» muss leider die Frage ungeklärt bleiben, ob Dostojewskij, in dessen großen Romantragödien sehr viel geredet wird, fürs Theater taugt. Er wird seit Castorf, der seinen Zyklus 1999 begann, viel gespielt, und es könnte sein, dass er ein verhinderter Dramatiker war, wie Vladimir Nabokov in allerdings gehässiger Absicht meinte. Es könnte aber...
