Unter Textgebirgen
Auch nach diesem «Idiot» muss leider die Frage ungeklärt bleiben, ob Dostojewskij, in dessen großen Romantragödien sehr viel geredet wird, fürs Theater taugt. Er wird seit Castorf, der seinen Zyklus 1999 begann, viel gespielt, und es könnte sein, dass er ein verhinderter Dramatiker war, wie Vladimir Nabokov in allerdings gehässiger Absicht meinte. Es könnte aber genauso gut sein, dass es für das Theater ein großes Glück gewesen ist, wenn Dostojewskijs ebenso erhitztes wie endloses Gerede von Glück, Leid und andere Großthemen zwischen zwei Buchdeckeln bliebe.
Die knapp tausend Seiten des «Idioten», Dostojewskijs Roman über die Schönheit, sind da durchaus aufschlussreich. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen geschlossenen, realistischen Roman, auf den zweiten zerfällt er in zwei unterschiedliche Teile. Der erste spannt einen geschlossenen Handlungsbogen und genügt auch sonst den Anforderungen des Aristoteles an Ort und Zeit. Der zweite, ungleich längere, zerfasert mit der zunehmenden Fiebrigkeit der Protagonisten zu einer unübersichtlichen Textfläche. Stephan Kimmig hat Stück oder Roman genau an dieser Schnittstelle (nach dem ersten von vier Teilen) durch eine Pause in zwei ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 26
von Peter Michalzik
«Da wo die Bücher herkommen, da denken alle.» Desto mehr ist es für die Protagonisten in Herta Müllers «Herztier» notwendig, die wenigen, die sie noch haben, möglichst sicher zu verstecken. Denn der Ungeist der Diktatur greift längst um sich. Freies Gedankengut muss im Verborgenen bleiben.
Mit ihrer Erfahrung aus dem Ceaucescu-Regime schuf die 1953 in Rumänien...
Rund 100 Lichtstimmungen für etwa 70 Minuten Hörspiel? Das kann, selbst bei Aufzeichnung vor Publikum, keine gewöhnliche Radioproduktion sein. War es auch nicht: Zum zehnjährigen Bestehen gönnten sich die ARD-Hörspieltage das Experiment, Robert Wilson zur ersten Hörspielarbeit seiner Laufbahn einzuladen. Das bescherte dem seit 2006 im Karlsruher Zentrum für Kunst...
Zerplatzte Träume, wildes Gekeife und Unmengen von Alkohol, um das Ungenügen am Leben zu ertränken – das Liebesfeuer des verkrachten Schauspielerpaares Arthur (Marcel Hoffmann) und Marilyn (Katja Thielen) ist längst erloschen. Alle Passion findet ihr Ventil inzwischen in zynischen Pointenschlachten, die stets um das Scheitern des Paares als zweitklassige...
