Im Café today

Shakespeare «Der Kaufmann von Venedig»

Theater heute - Logo

Wer zur Zeit und bis ins «Kulturhauptstadt»-Jahr 2010 hinein auf der A 40 von und nach Bochum fährt, gerät ins Stocken. Eine beidseitig kilometerlange Baustelle macht die verengte Spur zur Slalomstrecke, hier ein blockierter Abzweig, dort eine unplanmäßige Ausbuchtung, mal eine Sperrlinie, eine Hemmschwelle, eine wie aus dem Nichts auftauchende Kurve. Vielleicht ist der Intendant des Bochumer Schauspielhauses dieses Stück Autobahn einfach zu oft gefahren.

Denn irgendeine Erklärung muss es geben, weshalb das Theater des Elmar Goerden sich in einem derartigen Zustand befindet und in solche Konfusionen manövriert, wie der Saisonauftakt mit dem «Kaufmann von Venedig» – wieder – zeigte. 

Es beginnt damit, dass die Zuschauer mit Verdis «Traviata» empfangen werden, eine Sängerin (Franziska Dannheim) das «Addio del passato» der Violetta singt und im Verlauf der zwei Stunden immer mal wieder ein musikalisches Stelldichein gibt, als würde Pirandello statt Shakespeare gegeben. Die Arien lassen keinerlei Bezug erkennen. Diese Linienuntreue setzt sich fort. Eine aufgekratzte Party-Meute, auch sie gerne Lieder anstimmend, hat es sich in einer Gelateria bequem gemacht, deren silbrige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Andreas Wilink

Vergriffen
Weitere Beiträge
Geist der Zersetzung

Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunst­werke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins...

«Viele haben ihre Schubladen»

Franz Wille (am Telefon) Hallo Frau Syha, ich habe diese Nummer von Ihrem Theaterverlag, wo sind Sie denn jetzt gerade?

Ulrike Syha In der Casa Baldi, 60 Kilometer von Rom entfernt, sozusagen in der Außenstelle der Villa Massimo.

Fw Dort verleben Sie gerade ein Arbeitsstipendium und schreiben an einem neuen Stück?

Syha Da verbringe ich die Tage und schreibe an einem...

Spiel, Satz, Sieg

Wie viel Handke passt in 100 Minuten Theater? Reichlich. Auch wenn Michael Simons Version des «Spiels vom Fragen» nur etwa ein Drittel der Zeit beansprucht, die sich Claus Peymanns Uraufführung 1990 nahm, erhalten Simon und Dramaturg Tilmann Neufer das Wesentliche. Denn sie nehmen den Titel angenehm wörtlich und entwickeln aus dem als überfrachtet, verstiegen und...