Im Café today
Wer zur Zeit und bis ins «Kulturhauptstadt»-Jahr 2010 hinein auf der A 40 von und nach Bochum fährt, gerät ins Stocken. Eine beidseitig kilometerlange Baustelle macht die verengte Spur zur Slalomstrecke, hier ein blockierter Abzweig, dort eine unplanmäßige Ausbuchtung, mal eine Sperrlinie, eine Hemmschwelle, eine wie aus dem Nichts auftauchende Kurve. Vielleicht ist der Intendant des Bochumer Schauspielhauses dieses Stück Autobahn einfach zu oft gefahren.
Denn irgendeine Erklärung muss es geben, weshalb das Theater des Elmar Goerden sich in einem derartigen Zustand befindet und in solche Konfusionen manövriert, wie der Saisonauftakt mit dem «Kaufmann von Venedig» – wieder – zeigte.
Es beginnt damit, dass die Zuschauer mit Verdis «Traviata» empfangen werden, eine Sängerin (Franziska Dannheim) das «Addio del passato» der Violetta singt und im Verlauf der zwei Stunden immer mal wieder ein musikalisches Stelldichein gibt, als würde Pirandello statt Shakespeare gegeben. Die Arien lassen keinerlei Bezug erkennen. Diese Linienuntreue setzt sich fort. Eine aufgekratzte Party-Meute, auch sie gerne Lieder anstimmend, hat es sich in einer Gelateria bequem gemacht, deren silbrige ...
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Siebzig Minuten dauert die Aufführung: Die sieben Szenen Arthur Schnitzlers, die 1889/90 entstanden und in denen der Wiener Bourgeois und Lebemann Anatol jeweils eine andere Frau begehrt, verabschiedet, verliert, hat der Regisseur Luk Perceval zu einem einzigen Akt zusammengezogen. Er hat die Dialoge radikal zusammengekürzt und dabei alles spezifisch...
Dieser Monolog hat ja eine eigenartige soghafte Qualität. Ein Rausch der Brutalität, gehetzt, sprachlich verdichtet und zur mystischen Selbstauflösung überhöht. «Juli» von Iwan Wyrypajew (1974 in Ostsibirien geboren) spielt in naher Zukunft, im Jahr 2013 in der Irrenanstalt von Smolensk. Und es spielt in unseren Tagen; denn der dannzumal 63-jährige Ich-Erzähler...
Die Legende geht, Alexander Wewerka habe 1983 bei der Gründung und gewerblichen Anmeldung seines Verlags nicht mal einen Namen für dieses Projekt gehabt. Im letzten Moment fiel ihm der eigene Vorname ein und eine Grafik von Roland Topor in die Hand. Der auf einem Gehirn wedelnde Skiläufer wurde, soweit ich das beurteilen kann, zum ungewöhnlichs-ten Logo der...
