Die Gesetze im Netz

Der Band «Netztheater», herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und nachtkritik.de, resümiert den Stand der Digitalisierung am Theater

Theater heute - Logo

Warum wird im Theaterbetrieb so dringlich über Digitalität gesprochen, als hinge die Zukunft der Kunst davon ab? Aber kaum in Clubs und Konzertlokalen, obwohl die im Gegensatz zu den Theatern tatsächlich sterben? Die einfache Antwort ist: Weil man kann. Weil dafür Geld da ist. Etwas längere Antworten gibt es im Band «Netztheater» von berufener Stelle, denn der herausgebende Stall aus Böll-Stiftung und nachtkritik.de veranstaltet seit 2013 auch die Konferenz «Theater und Netz».

Dort wird die Zukunft, die im Lockdown plötzliche Gegenwart wurde, schon eine Weile besprochen. Die Grafik erinnert allerdings eher an ein Betriebssystem aus den neunziger Jahren, aber vielleicht ist das bereits eine Maßnahme, die Digital Natives bei der Nostalgie nach ihrer Grundschule zu packen. 

Ein Band zum Netztheater kommt dennoch richtig nach einem Jahr, in dem die Videoabteilungen der Theater so rasch an Wert gewonnen haben. Als die Häuser nach dem Sommer unter strengen Maßnahmen wieder öffnen konnten, war die Auswahl an netztheatralen Produktionen dann nicht mehr so groß. Im Vorwort schlagen die Herausgeber*innen deshalb einen appellativen Ton an, um sich ihren Gegenstand nicht von der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Tobi Müller

Weitere Beiträge
Mein Nachruf zu Lebzeiten

Der Tabubruch ist ja noch immer präsent. Auch weil er damals in aller medialen Breite stattgefunden hat – über die eigene Krankheit zum Tode, letztlich über die eigenen Vorbereitungen auf das Sterben sprach und schrieb Christoph Schlingensief, wie das noch niemand zuvor getan hatte. Und er forcierte Lebenslust und Todesbeschwörung sicher auch mit Blick auf die...

Flasche bald leer?

Schon im Vorwort dräut es ganz gewaltig. Marc Grandmontagne, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, eröffnet die gerade erschienene neue Theaterstatistik 2018/19 mit stolz-steifen, wenn auch unheilschwangeren Sätzen: Man halte «ein Dokument in Händen, das vermutlich das letzte Mal in gewohnten Fahrwassern eine Entwicklung fortschreibt, die als kontinuierlich...

Vom Sehnsuchtsraum hinterm Nadelöhr

Breitbeinig steht er da, der schmalbrüstige Jüngling Woyzeck, dünn und blass und rätselhaft. Winzige Gebärden, etwa ein leicht zur Seite geneigter Kopf, zeugen von seinem Weltverlust. Steifhalsig lehnt er sich schräg nach hinten, wenn jemand zu ihm spricht. Sylvana Krappatsch kann beides glaubwürdig spielen: gestandene Frauen und junge Männer, ja sogar Kinder. In...