«Paria, lumpen, mercenaria»
Ich habe es nie verstanden, als sie einmal zu mir sagte, sie wolle nie wieder das Land betreten, in dem sie geboren wurde. Es wollte mir einfach nicht in den Kopf. Ich wusste nicht, ob es schlicht eine Flucht war, ob es ums Überleben ging, oder ob es nur der Versuch war, einen Schlussstrich zu ziehen.
Oder machte es am Ende doch Sinn, nie wieder nach Hause zurückzukehren? Versuche ich, in einem Gelände Tritt zu fassen, in dem feste Schritte unmöglich sind? Ein Terrain, in dem der einzige feste Schritt darin bestehen kann, sich bewusst zu machen, dass es eben keinen festen Boden gibt, sondern nur Abgründe?
Meine Freundin singt ein Lied, am 27. November 2020, vor dem Kulturministerium in Havanna. Hunderte von Künstlern und Intellektuellen treffen sich dort. Einige können nicht kommen, weil die Geheimpolizei das Gelände abgesperrt hat oder sie vom Pfefferspray neutralisiert wurden. Aus dem fernen Berlin verfolge ich jedes einzelne Detail. Seit drei Tagen habe ich nicht mehr geschlafen. Sorgfältig höre ich mir jede der Nachrichten an, die meine Freundin mir schickt. Sie hat Angst, verprügelt zu werden. Sie sagt: Ich habe auch Angst, weil meine Mutter hier ist, und ich nicht will, dass ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: International, Seite 26
von Ricardo Sarmiento Ramirez
Dorothea Marcus Wie funktioniert es rein praktisch, in Corona-Zeiten in Belgien Intendant zu sein und in Köln zu wohnen?
Milo Rau Viel besser als ohne Corona in jedem Fall, weil man mehr zu Hause ist.
DM Die Familie freut sich – aber gilt das auch für das NT Gent?
Rau Unser Theater ist seit November geschlossen, wir proben nur. Die Saison beginnt Ende März, wir...
3./MITTWOCH
23.15, 3sat: Eine verhängnisvolle Nacht
Thriller (Deutschland 2013) von Miguel Alexandre, mit Silke Bodenbender, Matthias Brandt, Jella Haase, Dustin Raschdorf, Ulrike C. Tscharre, Rolf Becker u.a.
6./SAMSTAG
23.15, 3 sat: Macbeth
Spielfilm (Frankreich 2015) von Justin Kurzel, mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, David Thewlis, Paddy Considine u.a.
Warum wird im Theaterbetrieb so dringlich über Digitalität gesprochen, als hinge die Zukunft der Kunst davon ab? Aber kaum in Clubs und Konzertlokalen, obwohl die im Gegensatz zu den Theatern tatsächlich sterben? Die einfache Antwort ist: Weil man kann. Weil dafür Geld da ist. Etwas längere Antworten gibt es im Band «Netztheater» von berufener Stelle, denn der...
