Wir sind alle Lucretia

William Shakespeare «Die Schändung der Lucretia: Ein Casting» am Theater Basel

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Konzert, Theater, Castingrunde, Treffen einer Selbsthilfegruppe, semi-autobiografischer Abend – «Die Schändung der Lucretia: Ein Casting» in der Regie von Lola Arias im Schauspielhaus Basel ist all das. Im Kern versucht eine Gruppe Künstler:innen, ein Stück aufzuführen, Shakespeares Langgedicht «The Rape of Lucretia».

In einem Büro mit Kamera und Topfpflanze werden die Darsteller:innen gecastet, denn die Rollen müssen verteilt werden: Lucretia, die vergewaltigt wird. Königssohn Tarquinius Sextus, ihr Vergewaltiger.

Lucretias Ehemann Collatinus; zudem braucht es einen neutralen Erzähler. Wer will wen spielen? Wer Täter, wer Opfer sein?

Wie aber sehen Opfer aus? Wie Täter? Kann Lucretia, die von ihrem Mann in einer Männerrunde als unfassbar tugendhaft und schön gepriesen wird, so klein sein wie Barbara Colceriu? Kann sie schwarz sein wie Ntando Cele? Kann Julian Anatol Schneider, der am Theater oft die netten Typen, die «nice guys» spielt, den Vergewaltiger geben?

Mit diesen Fragen öffnet Arias’ Inszenierung den Raum von Beginn an ganz weit. Shake -speares Text bis hin zu Lucretias Selbsttötung, die sie als einzigen Ausweg sieht, um «eh -renhaft» zu bleiben, dient dabei als ...

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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Valeria Heintges

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