Versöhnung? Nein danke

nach Aischylos «Die Orestie», nach Susan Sontag «Das Leiden anderer betrachten» am Schauspiel Köln

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Finde den Fehler: Vater tötet Tochter, Ehefrau tötet ihn, Sohn tötet sie und dann, bei 2:1, soll Schluss sein mit der Gewalt – im Namen der Demokratie. Hier, an der Frage Versöhnung versus Gerechtigkeit, setzt die Kölner «Orestie» der australischen Regis -seurin Adena Jacobs an. Zwar flankieren zwei Gerichtsbänke die schwarzgraue, fel -sige Bühne von Eugyeene Teh. Dort würde in einer textgetreuen Aischylos-Inszenierung in Teil drei, den «Eumeniden» bzw. «Wohlwollenden», der Fall des Muttermörders Orest verhandelt.

Doch der Freispruch entfällt.

Die zehn jungen Frauen, die sich hinter einer der Bänke versammeln, bleiben stumm, blicken eine nach der anderen ruhig und fest in die Live-Kamera und von der Großleinwand auf uns herab und schweigen. Statt mit Vergebung endet diese Orestie unversöhnt, mit einem langen getanzten Trauerritual.

Jacobs und ihre Dramaturgen Alexander Kerlin sowie Aaron Orzech konzentrieren sich in ihrer düsteren, bilderstarken Überschreibung im Depot 1 auf die Klage, die Trauer und den Zorn. Durch die stellenweise kryptische Handlung führt, absolut faszinierend, Julia Schubert. Sie spricht die Chorpassagen, das ewig unbeantwortete Sehnen nach Gerechtigkeit. Es ...

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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Cornelia Fiedler

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