Versöhnung? Nein danke
Finde den Fehler: Vater tötet Tochter, Ehefrau tötet ihn, Sohn tötet sie und dann, bei 2:1, soll Schluss sein mit der Gewalt – im Namen der Demokratie. Hier, an der Frage Versöhnung versus Gerechtigkeit, setzt die Kölner «Orestie» der australischen Regis -seurin Adena Jacobs an. Zwar flankieren zwei Gerichtsbänke die schwarzgraue, fel -sige Bühne von Eugyeene Teh. Dort würde in einer textgetreuen Aischylos-Inszenierung in Teil drei, den «Eumeniden» bzw. «Wohlwollenden», der Fall des Muttermörders Orest verhandelt.
Doch der Freispruch entfällt.
Die zehn jungen Frauen, die sich hinter einer der Bänke versammeln, bleiben stumm, blicken eine nach der anderen ruhig und fest in die Live-Kamera und von der Großleinwand auf uns herab und schweigen. Statt mit Vergebung endet diese Orestie unversöhnt, mit einem langen getanzten Trauerritual.
Jacobs und ihre Dramaturgen Alexander Kerlin sowie Aaron Orzech konzentrieren sich in ihrer düsteren, bilderstarken Überschreibung im Depot 1 auf die Klage, die Trauer und den Zorn. Durch die stellenweise kryptische Handlung führt, absolut faszinierend, Julia Schubert. Sie spricht die Chorpassagen, das ewig unbeantwortete Sehnen nach Gerechtigkeit. Es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Cornelia Fiedler
Alter schützt vor Liebestorheit nicht. Wenn es stimmen sollte, dass das Alter reifer und gelassener macht, dann trifft dies jedenfalls nicht auf diese Athener Swinger-Paare zu. Hermia (Hil -ke Altefrohne), Lysander (Mike Müller), Hele -na (Yvon Jansen), Demetrius (Peter Knaack): Sie sind alle 50+ und verstört wie Teenager. Lysander (62) sagt’s: «O Spott! Zu alt für...
Am Ende stehen vierzehn Berner Kinder auf der Stadttheaterbühne und zitieren die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Ist es der hoffnungsvolle Blick in eine gerechtere Zukunft? Oder schon Nostalgie in einer Welt, in der die Regeln nicht mehr viel gelten? In der «Orestie» feiert Aischylos die Gründung des demokratischen Rechtsstaats (und der damaligen Weltmacht...
Die «Wohlverhaltensklausel» in seinem Vertrag wurde ihm zum Verhängnis: Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele seit zehn Jahren, wurde wegen ihr vom Kuratorium dieser Festspiele mit sofortiger Wirkung beurlaubt und wird seinen neuen Vertrag, der bis 2031 gegangen wäre, gar nicht erst antreten. Was in dieser Klausel steht, weiß man in der...
