Wir hier drinnen, ihr da draußen

Wie kommen Theater und Wirklichkeit zusammen? Gar nicht, sagen in Köln Laurent Chétouanes Büchner-Inszenierung «Dantons Tod» und Karin Beiers Theatertransformation des Ettore-Scola-Films «Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen». Hingucken lohnt trotzdem.

Es beginnt schon im Programmheft zu Laurent Chétouanes Büchner-Inszenierung. Zwei Texte von Roland Barthes krei­sen darin um den Zustand der Erschöpfung, des fundamentalen Überdrusses, davon, «von unserer Lebensweise, unserem Verhältnis zur Welt genug zu haben. ... Alles wiederholt sich, alles dreht sich im Kreis: die gleichen Aufgaben, die gleichen Begegnungen, aber ohne innere Beteiligung, selbst wenn jedes einzelne Stück dieses Programms erträglich oder gar angenehm ist.

» 
 

Analogien zu diesen Tschechow-affinen Sätzen finden sich zahlreich in «Dantons Tod», Büch­ners Drama der in den Terror weggeglittenen fran­zösischen Revolution und der letzten vierzehn Tage des Gemäßigten Danton, den die Hard­liner des Umsturzes aufs Schafott bringen wollen: «Ich müsste schreien; das ist mir der Mühe zuviel. Das Leben ist nicht die Arbeit wert, die man sich macht, es zu erhalten.»
 

Die zweieinhalbstündige Fassung, die Chétouane und sein Dramaturg Jan Hein aus Büchners fünfaktigem Drama herausdestilliert haben, ist eine Engführung in die Daseinsermattung: getrieben allein vom Interesse an jenem Moment der Verweigerung Dantons im zweiten Akt, der nur noch nach Ruhe verlangt. Der sinnliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Wachsen der Berge

Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könn­te, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben....

Muntere Ritterspiele

Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisa­tions-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroß­taten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht. 
 

Einer, der die...

Schlimm, ganz schlimm

Früher wurden noch Witze über Ostfriesen, Blondinen, Politiker oder die DDR gerissen – heute ist der Gutmensch die Zielscheibe des gepflegten Spotts. Denn hinter dem Anspruch, auch noch die beste aller Welten zu verbessern, vermuten Skeptiker nicht ganz zu Unrecht unlautere Motive. Autorin Ingrid Lausund macht gleich fünf solcher selbsternannter Menschheitsretter...