Wimmelbild am Amazonas
Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs szenischer Sicht auf Richard Wagners ur-romantische Oper «Der Fliegende Holländer», kommen die wahren Fans zu Wort. Und da wird’s dann schon ein bisschen lauter.
Klartext radebrechen
Gerade nämlich sind die Trommler einer lokalen Samba-Schule ins Finale des zweiten Aktes hineingepoltert – und haben nun wirklich unüberhörbar die Vermischung der musikalischen Traditionen und Qualitäten nicht bloß eingefordert, sondern auch gleich unverrückbar markiert. Das war schon am Premierenabend Anlass zum Protest gewesen und Vorspiel für das Finale, ein nur durch das demonstrative Wohlwollen der vielen geladenen Gäste gemilderte Buh-Gewitter, das die anwesenden Wagnerianer auf Schlingensiefs nach Bayreuth zweiten Versuch mit einem Werk ihres Hausgotts und Meisters herabdonnern ließen. Denn natürlich mussten sie die plötzlich gleiche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die rückstandlose Verbühnung der epischen Literatur ist nicht mehr aufzuhalten. «Die Buddenbrooks» und «Der Zauberberg», «Der Idiot» und «Schuld und Sühne», «Elementarteilchen» und «Der Mann ohne Eigenschaften», nichts ist vor dem Zugriff gewiefter Dramaturgen sicher; der Einwand, der Autor habe sich ja vielleicht etwas dabei gedacht, als er diese und nicht eine...
Wahnsinn Drama
Es richtet sich die Welt nach seinem Bilde und duldet keine Korrekturen an diesem Bild. Er geistert durch alle Sphären, hat die Sterne und den Kosmos, das größte Ganze im Blick – aber nur, um es seiner Beschränktheit schlau zu unterwerfen. Was er nicht sieht, das sollen die anderen auch nicht sehen, was er nicht fühlt, sie auch nicht fühlen, was er...
Jürgen Gosch lässt seine beiden kurz aufeinander folgenden Shakespeare-Inszenierungen in dem nahezu gleichen, von Johannes Schütz gebauten, hellen, tiefen, leeren Kasten mit leicht aufsteigendem Boden stattfinden: «Wie es euch gefällt» am Staatstheater Hannover und der – mehrfach verschobene – «Sommernachtstraum» im Deutschen Theater Berlin. Der Gegensatz von Hof...
