Willkommenskultur mit Vorspiel
Wir sind hier aufgewacht» – so hätte die erste Premiere passend heißen sollen, mit der Andreas Beck seine Intendanz am Münchner Residenztheater eigentlich eröffnen wollte. Eine Versuchsanordnung über das Geworfensein des Menschen in die Welt hatte Regisseur Simon Stone auf der Basis von Calderón und Marivaux entwickelt und halb geprobt, als er die Nachricht bekam, dass sein langgehegtes, fast schon begrabenes Filmprojekt «The Dig» mit Ralph Fiennes und Carey Mulligan nun plötzlich durch Netflix finanziert sei, dann aber auch sofort gedreht werden müsse.
Beck bewies Nervenstärke und menschliche Größe, seinen Freund Stone, der sich in einem öffentlichen Brief wortreich entschuldigte, unter solchen Umständen aus der Pflicht zu lassen. Die Produktion soll so bald wie möglich nachgeholt werden, und vielleicht ist es nicht einmal unprogrammatisch, wenn so unversehens das Auftragswerk «Die Verlorenen» von Hausautor und -dramaturg Ewald Palmetshofer auf die erste Position vorrückt.
Willkommenskultur praktiziert die neue Residenztheater-Crew um den frischgebackenen Staatsintendanten Beck, der zuletzt am Theater Basel erfolgreich war, und seine Stellvertreterin und Kommunikationschefin ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Starts, Seite 8
von Silvia Stammen
Figuren:
Clara, die Verlorene
Harald, ihr Ex-Mann
Svenja, seine Frau
Florentin, Claras und Haralds Sohn, 13 Jahre alt
Mutter, Claras Mutter
Vater, Claras Vater
Tante, Claras Tante, Schwester ihrer Mutter
Kevin, ein junger Mann
Der alte Wolf, ein älterer Mann
Die Frau mit dem krummen Rücken, Angestellte an der Tankstelle und dort auch Kneipenwirtin
Der Mann mit der...
Da steht er also, heiß erwartet – Joachim Meyerhoff in Molières Verwechslungskomödie «Amphitryon». Er ist nicht Amphitryon, er ist der Diener Sosias, der Gattin Alkmene von der ruhmreichen Feldschlacht berichten soll. Dumm nur: Er war gar nicht dabei. Aber für ein Schlitzohr wie Sosias, wie Meyerhoff, ist sowas kein Problem. Das Spiel ist ihr Metier, doch das Spiel...
Ein dicker, eiserner Haken in einer uralten Holzwand. Eine Handbreit daneben, gerahmt, ein altersfleckiger Stich: Trotzkopf Napoleon mit verschränkten Armen. Oder: Blick in einen alten Kleiderschrank, Biedermeier vermutlich, sorgsam ausgekleidet mit schwarz-weißem Schrankpapier. An den Innenseiten der Türen hängen, farblich sortiert, prächtige Seiden-Kravatten, auf...
