Identität im Spiel

Mit Molières «Amphitryon» verabschiedet sich Herbert Fritsch von der Berliner Schaubühne; am Deutschen Theater co-dirigiert Jürgen Kruse Horváths «Glaube Liebe Hoffnung»

Da steht er also, heiß erwartet – Joachim Meyerhoff in Molières Verwechslungskomödie «Amphitryon». Er ist nicht Amphitryon, er ist der Diener Sosias, der Gattin Alkmene von der ruhmreichen Feldschlacht berichten soll. Dumm nur: Er war gar nicht dabei. Aber für ein Schlitzohr wie Sosias, wie Meyerhoff, ist sowas kein Problem.

Das Spiel ist ihr Metier, doch das Spiel will geprobt sein: «Hier sei der Saal – hier tret ich an, hier die Laterne ist Alkmene!» Zwischen den warmbunten Papiersofitten, mit denen Herbert Fritsch als sein eigener Bühnenbildner die traditionsbewusste Gassenbühne ausgestattet hat, steht natürlich keine Laterne. Dazu reicht der überlange Ärmel des prächtigen, kurzberockten, orangefarbenen Barockkostüms, in das Victoria Behr Sosias gesteckt hat, völlig. Meyerhoff reckt den Arm in die Höhe, schon steht Alkmene, die Laterne, vor ihm, er legt sich die üppigen Falten über den Kopf, schon ist er Alkmene, die sich entzückt vom gefaketen Bericht einseifen lässt. 

Hier tritt er also an, an der Rampe des Schaubühnensaals, der seine neue Heimat werden soll nach 12 Jahren am Wiener Burgtheater. Noch ein von Fritsch initiierter Neuzugang, der bereits seine engsten Kumpane ...

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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Barbara Burckhardt