Die guten alten Dinge
Ein dicker, eiserner Haken in einer uralten Holzwand. Eine Handbreit daneben, gerahmt, ein altersfleckiger Stich: Trotzkopf Napoleon mit verschränkten Armen. Oder: Blick in einen alten Kleiderschrank, Biedermeier vermutlich, sorgsam ausgekleidet mit schwarz-weißem Schrankpapier. An den Innenseiten der Türen hängen, farblich sortiert, prächtige Seiden-Kravatten, auf dem Boden stehen wuchtige Lederstiefel; die passende Pflege dazu in silbernen Dosen im obersten Fach.
Dazwischen Filz- und Lodenjacken mit Hirschhornknöpfen, Stapel grüner und blauer Hemden, Ledergürtel und zwei Fächer voller Hochprozentigem: Portweine, Zwetschgenschnaps und jede Menge Cinzano. Man kann den herben Duft von Leder, Holz und einer Spur Alkohol förmlich riechen.
Wer sich durch die schönen Foto-Essays in Thomas Bernhards «Hab & Gut» blättert, glaubt, sich in einem Manufactum-Katalog verlaufen zu haben: lauter gute, alte Dinge, die suggerieren, die Welt sei noch in Ordnung! Wo bitte, stehen die Preise zu diesen stets wohlplatzierten Filzpantoffeln, Küchentüchern und Jagdmessern? Herausgeber André Heller ist nicht der erste, den Bernhards «sorgfältig inszenierter Privatkosmos voll der Täuschungen, ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Büchermagazin, Seite 45
von Eva Behrendt
Ein älteres Ehepaar, unterwegs in Afrika, geht in der Sahelzone der liebsten Sportart deutscher Paare nach: Man streitet ausgiebig. Er ist freischaffender Wissenschaftler und erforscht schwarze Löcher, sie begleitet ihn, geht aber davon aus, sie würden Urlaub machen. In der Wüste begegnen sie einem mysteriösen einheimischen Paar, und plötzlich ist das Geld mitsamt...
Wir sind hier aufgewacht» – so hätte die erste Premiere passend heißen sollen, mit der Andreas Beck seine Intendanz am Münchner Residenztheater eigentlich eröffnen wollte. Eine Versuchsanordnung über das Geworfensein des Menschen in die Welt hatte Regisseur Simon Stone auf der Basis von Calderón und Marivaux entwickelt und halb geprobt, als er die Nachricht bekam,...
Man weiß es ja, aber hört es dennoch nicht so gerne. Es hat schon seinen Reiz, wenn der Schauspieler Benjamin Lillie in der Rolle des aufrührerischen «Predigers» in Steinbecks Roman dem noblen Zürcher Pfauen-Publikum mit flammendem Blick entgegenschleudert: «Not ist das Abfallprodukt von Menschen ohne Not.» Wie bring ich’s an den hablichen Schweizer, wird sich...
