Wiener Fenstersturz
Es war keine Magie im Spiel bei jenem «Unverhofften Wiedersehen», das Johann Peter Hebel in seiner bekannten Kalendergeschichte beschrieben hat. Eisensulfat hatte den Körper des jungen Bergmanns konserviert, den man fünfzig Jahre nach einem Minenunglück wiederfand. Grau und gebeugt trat eine Frau an die Bahre und erkannte das jugendliche Gesicht ihres Verlobten. Aber «er öffnete den Mund nimmer zum Lächeln», geschweige denn, um ein Wort zu sagen.
Und hätte sie ihm andernfalls nicht gleich einen Finger auf die Lippen legen müssen, weil der Zauber sonst verflogen wäre?
Auch der Hörspielmacher Leonhard Koppelmann hat einen Schatz ans Tageslicht geholt. Konrad Bayer, Dichter, Experimentalfilmer und Gründungsmitglied der «Wiener Gruppe» (mit Fried-rich Achleitner, H. C. Artmann, Gerhard Rühm und Oswald Wiener), zog in seinem Fragment gebliebenen Roman «der sechste sinn» die Summe der Experimente, die mit Montage-Gedichten, parodistischen Liedern und Bühnenstücken bei den literarischen Kabaretts der Gruppe ihren Anfang genommen hatten. Heute gilt Bayer als Wegbereiter der Avantgarde. Er wäre 72 Jahre alt. Als er sich im Oktober 1964 das Leben nahm, war er 31, ein unnahbarer Dandy und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Boy, Cop, Mother, Dealer, Bitch und Boyfriend – das Personal in Paravidinos «Stillleben in einem Graben» entspricht den Grundbausteinen eines Krimisetzkastens. Und tatsächlich geht es in dem von Paravidino 2001 verfassten Stück ganz klassisch um eine schöne Frauenleiche. Ein Motiv, das seit jeher die grundlegende Störung der symbolischen Ordnung in der...
Theater heute Das Leitmotiv von «Theater der Welt» 2005 heißt «Heimweh nach der Zukunft». Klingt ein bisschen elegisch.
Marie Zimmermann Ein bisschen Gefühl und Ironie hat noch selten geschadet. Eine Floskel dafür, dass Kultur immer auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Die Echtzeit des globalen Marktes, an dem wir angeblich alle teilhaben, heißt ja nur, dass man...
Man muss sich das Problem mit diesen arabischen Selbstmord-Terroristen ungefähr so vorstellen: Ein netter, gut aussehender blonder Junge mit einer ebenso netten, gut aussehenden blonden Freundin hat Ärger mit der Mama und Probleme, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dann trifft er im türkischen Bad ein paar in Saunatücher gehüllte Schauspieler des Maxim Gorki...
