Dramatische Systeme
Man muss sich das Problem mit diesen arabischen Selbstmord-Terroristen ungefähr so vorstellen: Ein netter, gut aussehender blonder Junge mit einer ebenso netten, gut aussehenden blonden Freundin hat Ärger mit der Mama und Probleme, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dann trifft er im türkischen Bad ein paar in Saunatücher gehüllte Schauspieler des Maxim Gorki Theaters, die ihm etwas von islamischer Würde erzählen, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Schon ist er in London bei der Moslembrüderschaft in Finsbury Park, studiert Wirtschaftswissenschaften und spricht wie ein verbohrter Fundamentalist. Es folgt ein Ausbildungscamp in Afghanistan, die Rückkehr nach Europa, ein teurer Anzug wird gekauft, und fertig ist der fanatische Selbstmord-Attentäter. So betrachtet, muss jeder dankbar sein, dass nicht 90 Prozent der Berliner Jugendlichen mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch herumlaufen.
Lutz Hübner hat mit gefälliger Dialog-Routine das Material von ein paar Dutzend Zeitungsartikeln in 24 Szenen übertragen und mit der Nachdenklichkeit eines Schlagzeilen-Redakteurs alle anstehenden Fragen geklärt. Auch die Inszenierung von Volker Hesse fordert strenge Glaubenskraft. Denn ehe sich ...
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Im Programm von Theater der Welt (siehe auch S. 18ff. in diesem Heft) finden sich Produktionen aus verschiedenen Orten der Theaterweltkarte: Auckland, Neu-Delhi, Nowosibirsk, Graz. Die Landeshauptstadt der Steiermark ist in Stuttgart mit einer Inszenierung vertreten, die zumindest in Österreich theatergeschichtliche Bedeutung hat – fast zwanzig Jahre nach der...
Vor neun Jahren hat Peter Zadek den «Kirschgarten« inszeniert, im Wiener Akademietheater, in einer puppenstubenkleinen Welt für ganz große Schauspieler, Angela Winkler und Sepp Bierbichler: ein melancholischer, vor subversiver Erotik flirrender Abgesang auf die Vergänglichkeit und den Zauber des ewigen Spiels. Drei Jahre später in Basel räumte Stefan Pucher mit dem...
So ließe sich ein gepflegter Abend für Architekten an: «Lieber Kino als Essen». Verköstigungen sind gut, doch kalorienfrei ist besser. Leider trifft sich der filmische Geschmack von Aniela und Hugo nicht im Geringsten mit den Vorlieben des Dritten im Bunde: Jannis ist Statiker und Hobby-Cineast mit einem ausgeprägten Sinn für gehobenen Splatter à la Tarantino,...
