Dramatische Systeme
Man muss sich das Problem mit diesen arabischen Selbstmord-Terroristen ungefähr so vorstellen: Ein netter, gut aussehender blonder Junge mit einer ebenso netten, gut aussehenden blonden Freundin hat Ärger mit der Mama und Probleme, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dann trifft er im türkischen Bad ein paar in Saunatücher gehüllte Schauspieler des Maxim Gorki Theaters, die ihm etwas von islamischer Würde erzählen, und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Schon ist er in London bei der Moslembrüderschaft in Finsbury Park, studiert Wirtschaftswissenschaften und spricht wie ein verbohrter Fundamentalist. Es folgt ein Ausbildungscamp in Afghanistan, die Rückkehr nach Europa, ein teurer Anzug wird gekauft, und fertig ist der fanatische Selbstmord-Attentäter. So betrachtet, muss jeder dankbar sein, dass nicht 90 Prozent der Berliner Jugendlichen mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch herumlaufen.
Lutz Hübner hat mit gefälliger Dialog-Routine das Material von ein paar Dutzend Zeitungsartikeln in 24 Szenen übertragen und mit der Nachdenklichkeit eines Schlagzeilen-Redakteurs alle anstehenden Fragen geklärt. Auch die Inszenierung von Volker Hesse fordert strenge Glaubenskraft. Denn ehe sich ...
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Die Szene sieht stark nach Geisterbahn aus und könnte so auch als «Haunted House» in Disneyland durchgehen. Oder als Setting eines gruseligen Computerspiels. Ein langer Tisch zieht sich über die volle Bühnenbreite, an dessen oberen Enden zwei grotesk aussehende fette Kinder sitzen – links ein in schrilles Gelb gewandetes Mädchen (Corinna Beilharz) und gegenüber ein...
1. Klasse
Die Wege des Herrn sind unergründlich: Nachdem Bundespräsident Köhler noch kürzlich gegen das Regietheater gewettert hatte («Ein ganzer ‹Tell›, ein ganzer ‹Don Carlos›, das ist doch was!»), erhielt nun in seinem Auftrag der langjährige Direktor und Alleingesellschafter der Berliner Schaubühne, Jürgen Schitthelm, das Verdienstkreuz 1. Klasse des...
Einsam zurück bleiben die Außenseiter. Antonio, dem beim Töpfchen- und Deckelchen-Spiel in Belmont keine Partnerin zugedacht ist, wirkt völlig deplatziert im munteren Schlafzimmertreiben. Vor Shylock, zur Taufe gezwungen, schließen sich Fenster und Tore seiner Heimat, dem Ghetto. Jessica, Shylocks Tochter, davongelaufen mit einem Venezianer und ohne väterliche...
