Über Stock und Stein
Theater heute Das Leitmotiv von «Theater der Welt» 2005 heißt «Heimweh nach der Zukunft». Klingt ein bisschen elegisch.
Marie Zimmermann Ein bisschen Gefühl und Ironie hat noch selten geschadet. Eine Floskel dafür, dass Kultur immer auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Die Echtzeit des globalen Marktes, an dem wir angeblich alle teilhaben, heißt ja nur, dass man von jedem Rechner dieser Welt 24 Stunden lang an irgendeiner Börse der Welt handeln kann. Das sagt über den Erfahrungshorizont des Subjekts, das an dem Rechner sitzt und makelt, noch gar nichts.
Davon jedoch erzählen die Kulturen in einer unterschiedlichen Ausrichtung auf der Zeitachse. Auch in unterschiedlichen Verwandtschaftsverhältnissen der Zeitebenen untereinander. Die Brüche und Kontinuitäten zwischen einer europäischen linearen Zeit, die immer nach vorne zielt, und kreisförmigen Vorstellungen des Wiederkehrens, die andere Kulturen kennen, kann man an einem so merkwürdig unzeitgemäßen Ort wie Stuttgart gut verknüpfen: Das Schwäbische ist auch nicht wegen seiner Schnelligkeit bekannt, sondern eher wegen seiner Stetigkeit. Außerdem hat man hier nicht vergessen, dass dieses Land bis weit in die sechziger Jahre des ...
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Man muss sich das Problem mit diesen arabischen Selbstmord-Terroristen ungefähr so vorstellen: Ein netter, gut aussehender blonder Junge mit einer ebenso netten, gut aussehenden blonden Freundin hat Ärger mit der Mama und Probleme, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Dann trifft er im türkischen Bad ein paar in Saunatücher gehüllte Schauspieler des Maxim Gorki...
Boy, Cop, Mother, Dealer, Bitch und Boyfriend – das Personal in Paravidinos «Stillleben in einem Graben» entspricht den Grundbausteinen eines Krimisetzkastens. Und tatsächlich geht es in dem von Paravidino 2001 verfassten Stück ganz klassisch um eine schöne Frauenleiche. Ein Motiv, das seit jeher die grundlegende Störung der symbolischen Ordnung in der...
Dieser Text lässt sich nicht einfach abschütteln. Er nistet sich ein, beißt sich fest, kriecht ein paar Nächte lang übers Kopfkissen. Er hinterlässt Bilder eines abscheulichen Verbrechens: Nach der Lektüre sieht man mondbeschienene Feldwege vor sich, leere Bierkästen Marke «Sternburger» und Springerstiefel, die nach einem erschöpften Körper treten. Man hört einen...
