Foto: Iko Freese

Wiebke Puls: Die schlichte Weisheit

Kluge Menschen brauchen keinen Anführer

Theater heute - Logo

Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politi­ker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz blieb beim Bild des Baumes und sagte: «Die Gespräche haben sich verästelt, und jetzt diskutieren sie in den Zweigen und haben darüber den Stamm vergessen.

»

Mein kluges Kind. Du hast recht. Ich möchte, dass Du in einer Welt lebst, in der wir uns immer wieder auf unsere Wurzeln besinnen, während wir wachsen. «Ein starker Stamm», «Blühende Landschaften» – mit so paradiesischen Träumen machen sich Erwachsene schnell verdächtig. Und tatsächlich meinen sie damit oft eher ein Land, in dem Dollars aus den Knospen der deutschen Eiche sprießen und keine Träume.

Ich möchte mit Dir träumen. Ich träume nicht von einem Staat. Ich träume von einer Welt, in der wir Menschen uns als eins verstehen, weil wir gleich sind. In diesem Garten kann es keine Mauern geben. Freiheit bedeutet, dass jeder einen Anspruch auf dieselbe hat. Darin sind ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 30
von Wiebke Puls

Weitere Beiträge
Yael Ronen: Ein Land ohne Land für ein Volk ohne Land

Ich kann diesen Satz nicht lesen. Ich kann versuchen, ihn auszusprechen, aber das klingt albern. Ich spreche kein Deutsch, noch nicht. Ich schreibe für eine Sprache, die ich nicht beherrsche oder die ich mich weigere zu beherrschen, kommt drauf an, wen man fragt. Eine Sprache, in die Irina für mich übersetzen muss. Ich vermeide es, in meiner Muttersprache zu...

Leer sein, frei sein

Offenbar ist es so gut wie aussichtslos, Michael Wächter in einer Denkpause zu erwischen. Der Mann, seit Herbst 2015 Ensemblemitglied am Theater Basel, weiß einfach auf alles eine Antwort, zumindest einem dahergelaufenen Journalisten gegenüber. Das Angenehme daran ist, dass diese Antworten aus lauter sonnenklaren Sätzen bestehen, aus wachen Bemerkungen, spontanen...

Uraufführungen 2017/18

A
Jörg Albrecht

Gewonnene Illusionen (Schauspiel Leipzig)
Renate Ahrens
Schirokko (Theater Schloss Massbach)
Bernhard Aichner
Totenfrau (Tiroler Landestheater Innsbruck)
Thomas Arzt
Die Anschläge von nächster Woche
(Theater Heidelberg)
Anita Augustin und Eike Hannemann
Nekropolis – Die Stadt gehört uns
(Staatstheater Nürnberg)
Fatma Aydemir
Ellbogen (Düsseldorfer...