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Yael Ronen: Ein Land ohne Land für ein Volk ohne Land

Im Exil kann man am besten von Zion träumen

Ich kann diesen Satz nicht lesen. Ich kann versuchen, ihn auszusprechen, aber das klingt albern. Ich spreche kein Deutsch, noch nicht. Ich schreibe für eine Sprache, die ich nicht beherrsche oder die ich mich weigere zu beherrschen, kommt drauf an, wen man fragt. Eine Sprache, in die Irina für mich übersetzen muss. Ich vermeide es, in meiner Muttersprache zu schreiben. Ich habe Angst vor zu viel Sentimentalität, vor meiner Frustration über das Unübersetzbare. Ich versuche, kurze, klare Sätze zu schreiben. Direkte, nackte Gedanken.

Ich versuche, eine Form zu vermeiden, um mich nicht von ihr davontragen zu lassen. Ich schreibe auf Englisch. Als würde ich eine Gebrauchsanweisung für Elektrogeräte schreiben. Ich denke in einer Sprache, die für mich keine Geschichte und keinen Ballast hat. Ich denke ohne Grammatik. Ich arbeite in einer sprachlichen Grauzone.

«By the rivers of babylon, there we sat down
Ye-eah we wept, when we remembered zion»

Wir saßen an der Spree. Damals wollte ich nicht mehr in der Öffentlichkeit rumheulen. Wir haben also nicht geweint. Wir haben uns an Zion erinnert, aber nicht darüber gesprochen. Wir sprechen kaum über Israel, wenn wir uns sehen. Jeff ist nur ein ...

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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 32
von Yael Ronen