Wie funktioniert Gesellschaft?
Dem Verständnis, das Politiker unterschiedlicher Couleur den Ängsten vor «Überfremdung» und «Islamisierung» entgegenbringen, weil man «die Sorgen der Bürger ernst nehmen» müsse, kann man erwidern: Nicht jede Angst ist berechtigt, und nicht jede Angst führt zum Recht. Der Soziologe Heinz Bude spricht in diesem Zusammenhang davon, dass ein ethnisch homogenes Milieu nur ein «halluzinierter Zustand» sei (und immer war), der zwar mit großen Gefühlen aufgeladen werden könne, aber als Grundlage für ein Wir nicht aufrechtzuerhalten sei.
Warum geht die Sehnsucht nach Gemeinschaft dennoch oft mit gruppenbezogener Ausgrenzung einher? Wie entstehen Einstellungen, die von der Ungleichwertigkeit der Menschen ausgehen? Entstehen Gesellschaftsstrukturen weniger über Gemeinsamkeiten als vielmehr über das Außen, den gemeinsamen Feind, die Anderen, von denen man sich abgrenzt? In seinem Stück «rechtes denken» untersucht Konstantin Küspert rechtsextreme und somit fremdenfeindliche Positionen in unserer heutigen, «nordwestlichen» Gesellschaft.
Wann rechte Denkweisen als «rechtschaffen», wann als beunruhigend wahrgenommen bzw. qualifiziert werden, hängt durchaus auch vom diskursiven Gewand ab, mit ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 185
von Remsi Al Khalisi
Die Welt ist so absurd. 1,1 Millionen Euro jeden Tag in eine zukunftslose Vision zu stecken, die BER heißt, ist ein gigantischer Schildbürgerstreich, der jede Vorstellungskraft übersteigt. Mittlerweile werden darüber nur noch die Schultern gezuckt, und man will nicht weiter daran erinnert werden. Vor diesem Hintergrund ist es merkwürdig, rechtfertigen zu müssen,...
Immer wieder fällt das Wort Zombie. Und ein anderes: Gespenst. Von «eiskalten weißen Gespenstern» und «Seelen ohne Körper, die besessen sind, ihr (weißes) Erbgut weiterzugeben» ist da unter anderem die Rede. Und von Massen von schwarzen Zombies. Leichenberge, die wie Eisberge im Mittelmeer schwimmen. Nur dass es im Mittelmeer keine Eisberge gibt und stattdessen...
Anfang diesen Jahres, um genau zu sein: am 8. Februar 2015, hatten wir, Nicolas Stemann und ich, uns mit Elfriede Jelinek verabredet. Es war gewissermaßen ein Antrittsbesuch der zwei Neuen in dieser Stadt – Nicolas Stemann wird ab dieser Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Viel mehr, als sich «Grüß Gott» zu sagen und die künstlerische...
