Elternlose neue Freiheit
Deutschland im Endspiel. Alle vier Jahre wieder. Und die Stadt stürzt sich in den sommerlichen Fußballrausch und vergisst für kurze Zeit die von Kriegen zerrissene Welt jenseits der eigenen Mauern. Alle vier Jahre wieder. Aber nicht alle können oder wollen sich mitreißen lassen. Udi, Roy, Serösha, Ulyana, Joanna und Üzüm kreiseln in den nächtlichen Strudeln ihrer privaten Verstrickungen. Alle sind sie Menschen der großen Stadt. Das, was man ihre Identitäten nennen könnte, ist vielfältig und widersprüchlich, gewachsen und gebrochen und dann wild weiter gewuchert.
Aber alle sind sie auf der Suche nach dem Hafen, der endlich die Erlösung des Angekommenseins verheißt. Eine Liebe, ein Haus, ein Kind.
Udi («der Israeli») und Roy («der Araber») sind ein Paar und träumen wie die halbe Welt von einer Eigentumswohnung in dieser Stadt. Dafür ziehen sie in durchgefeierten Nächten die Touristen in den schwulen Bars ab und sparen eisern. Doch nun will Roy raus aus allem, aus dem Projekt und der Beziehung. Üzüm («die neue Deutsche»), die mit Joanna wohnt, träumt vom Sieg im Finale und von einem Kind. Üzüms Freundin Ulyana («die Ukrainerin») will aber zurück in das Land, aus dem sie kam und das ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 189
von Jens Hillje
Anfang diesen Jahres, um genau zu sein: am 8. Februar 2015, hatten wir, Nicolas Stemann und ich, uns mit Elfriede Jelinek verabredet. Es war gewissermaßen ein Antrittsbesuch der zwei Neuen in dieser Stadt – Nicolas Stemann wird ab dieser Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Viel mehr, als sich «Grüß Gott» zu sagen und die künstlerische...
Immer wieder fällt das Wort Zombie. Und ein anderes: Gespenst. Von «eiskalten weißen Gespenstern» und «Seelen ohne Körper, die besessen sind, ihr (weißes) Erbgut weiterzugeben» ist da unter anderem die Rede. Und von Massen von schwarzen Zombies. Leichenberge, die wie Eisberge im Mittelmeer schwimmen. Nur dass es im Mittelmeer keine Eisberge gibt und stattdessen...
«It’s not because I’m old
It’s not the life I led
I always liked it slow
That’s what my momma said»
Leonard Cohen
In Bremen höre ich das Nordwestradio, es ist neu aufgestellt, es war mal der Kultursender hier bei Radio Bremen. Jetzt soll er immer seichter und kommerzieller geworden sein, so sagt man hier in Bremen, ich finde das nicht, aber sie spielen immer noch...
