Widersprüche statt Gegensätze
Ach, wär’s doch wie früher: vor Corona, vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, vor dem grausamen Massaker an Juden am 7. Oktober und dem brutalen Vernichtungskrieg in Gaza und all den Folgen für die westliche Welt, die nun einen Teil ihrer Sicherheit und ihres Wohlstands einbüßt … Das mögen viele in diesem Land denken und die Politik tut ihr Übriges dazu. Sie will uns glauben machen, dass wir die Krise nur überstehen müssen, durchhalten, danach würde es dann wieder so, wie es früher einmal war.
Wen überzeugt noch dieser Trost, der sich wie eine fatale Beschwichtigung ausnimmt. Kollabiert das System nicht womöglich längst?
Erinnern wir uns: Mit zunehmender Globalisierung wurde die Welt – wie es Habermas einmal in einem Buchtitel konstatierte – immer unübersichtlicher. Daraus entstand schon bald die Flucht in die Spaßgesellschaft, um sich vor dem Gefühl der eigenen Ohnmacht zu retten. Doch der Spaß ist vorbei. Die auferlegte Selbstoptimierung führt mehr und mehr in die Erschöpfung, und so bleibt scheinbar nur eins: Die Flucht in die Vereinfachung. Denn was ist es anderes als eine Komplexitätsreduktion, die hinter dieser ständigen Polarisierung unserer öffentlichen Debatten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Marion Tiedtke
Agaue
Teiresias
Kadmos
Pentheus
Dionysos
Boten
Jemand
Stimmen
Chor
1
(Stimmen.)
Haben wir kein Essen mehr
Doch, aber nur ein Viertel für jeden
Das reicht mir aber nicht
Dann geh raus und hol dir was
Hier drinnen ist alles rationiert
Aus guten Gründen
Ich kann nicht
Draußen ist etwas
Dann bestell dir was
Bestell’s dir irgendwoher, wie du magst, die Welt ist klein
...
Als Angela Merkel im September 2015 mit leichtherzig blauäugigem Lächeln verkündete «Wir schaffen das!», kam das für Delschad Numan Khorschid genau zwölf Jahre zu spät. Vielmehr hatte er es bereits selbst geschafft – auf gefährlichsten Wegen, über weite Strecken allein aus dem östlichen Irak bis an eine Berliner Schauspielschule. Die erste Schule überhaupt, die er...
Man könnte Mesut Özil einiges vorhalten. Vielleicht, dass er sich als Fußball-Ausnahmetalent nicht auf sein Ausnahmetalent beschränkt, sondern ikonische politische Statements veröffentlicht hat. Dass er sich 2018 mit dem türkischen Präsidenten Erdogan hat fotografieren lassen, nachdem der gerade sein Land in ein autoritäres Terrorregime verwandelt, Tausende...
