Quatsch und Komik
Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?» Die Grundfrage der Philosophie nach Martin Heidegger lässt sich profan beantworten, etwa von Physikern: Weil es den Urknall gab. Oder von Logikern: Die Frage ist falsch gestellt, das «Nichts» ist Quatsch, es gibt nur Prädikate von Seiendem. Oder aber vom Künstler: Es gibt etwas, weil es die Einbildungskraft gibt. Sie füllt die existenzielle Leere, sie bevölkert das Nichts.
So würde es wohl Antú Romero Nunes deuten, der unter den Regisseuren der vielleicht entschiedenste Theaterpurist ist, ein Stehgreif-Illusionist.
Wenn seine Spieler:innen einander eine Geldbörse reichen, dann stecken sie die hohle Hand vor und sagen «Pling» – schon stellt sich das Ding vor unserem inneren Auge auf – Theater aus dem leeren Raum.
Mit Shakespeares «Was ihr wollt» findet diese Praxis einen angemessenen Gegenstand. Die Verwechslungskomödie hat in den letzten Jahren eine sagenhafte Karriere auf den Bühnen hingelegt, weil sie wie gemacht scheint für unsere genderfluide, metrosexuelle Zeit. Nach einem Schiffbruch ist die Edelfrau Viola auf sich allein gestellt, verkleidet sich zum Schutz als Mann und heuert in der Maskerade beim Herzog Orsino an. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Christian Rakow
Pläne der Redaktion
Richard Foreman war ein halbes Jahrhundert lang New Yorker Avantgarde. Sein ontological-hysteric Theater, ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Text, Figur, Requisit, Ton und Musik, hat schon dekonstruiert, bevor es den Begriff gab. Eine Erinnerung
Die Neuen kommen: In Nürnberg hat Lene Grösch das Schauspiel übernommen, in Freiburg heißt der...
Das Theater adaptiert viele Romane, dieser Roman adoptiert einen Theatermacher: Die Schriftstellerin Dorothee Elmiger hat ihn trotz kleiner Verschiebungen unverkennbar dem künstlerischen Leiter der Wiener Festwochen, Milo Rau, nachempfunden. Wer sonst würde sich wohl zur «Rekonstruktion eines Falls» nach Panama in den Dschungel begeben, auf den Spuren markiger...
Die kleine Balletttänzerin nimmt den berühmten Komponisten mit nach Hause. Der Komponist schreibt gerade ein neues Werk, eine Ballettmusik, so modern, dass der Großteil des Publikums es nicht verstehen wird, ein Erfolg wird es dennoch werden, weil er nicht von ungefähr so berühmt ist, ihm gelingt alles. Jedenfalls soll sie die Hauptrolle tanzen, nur ein Titel fehlt...
