Wider die Kontrollwut

Ist das Wut, wenn man oder frau es immer gerade erst wird ... Von Marlene Streeruwitz.

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Wütend. Das ist ein Zustand, in den man oder frau gerät und sich dann darin befindet. Im Entstehen der Wut. «Da bin ich aber wütend geworden», erzählen wir und schauen so zustimmungsheischend um uns. Im Zustand des Wütend-Werdens fühlen wir uns berechtigt. Berechtigter. Der Vorgang des Wütend-Werdens erzählt uns selbst und denen, denen wir davon erzählen, davon, dass wir am Leben sind. Das wiederum beschreibt uns und denen, denen wir erst aus diesem Zustand etwas erzählen können, dass wir in Gesellschaft sind.

Das Wütend-Werden ist fast der einzige Bericht darüber, wie wir auf die Welt treffen. Auf die Welt außerhalb von uns und unserer Privatheit.

In unseren Kontrollgesellschaften erscheinen wir uns ja zuerst einmal ermächtigt. Es gibt immer die anderen, die kontrolliert werden müssen. Wir. Wir selbst. Wir fühlen uns tugendhaft und richtig. Wir begehen schließlich keine Verbrechen und schauen auf die Welt aus dem Blickwinkel der Kontrolle, wie uns das die Leitmedien der Kontrolle vormachen. Das Wütend-Werden. Das ist schließlich genau der Berichtsvorgang in der deutschen «Bild»-Zeitung und in der österreichischen «Kronen»-Zeitung, der den rationalen Journalismus ersetzt hat. Es ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Marlene Streeruwitz, Seite 20
von Marlene Streeruwitz

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