Wider die Kontrollwut
Wütend. Das ist ein Zustand, in den man oder frau gerät und sich dann darin befindet. Im Entstehen der Wut. «Da bin ich aber wütend geworden», erzählen wir und schauen so zustimmungsheischend um uns. Im Zustand des Wütend-Werdens fühlen wir uns berechtigt. Berechtigter. Der Vorgang des Wütend-Werdens erzählt uns selbst und denen, denen wir davon erzählen, davon, dass wir am Leben sind. Das wiederum beschreibt uns und denen, denen wir erst aus diesem Zustand etwas erzählen können, dass wir in Gesellschaft sind.
Das Wütend-Werden ist fast der einzige Bericht darüber, wie wir auf die Welt treffen. Auf die Welt außerhalb von uns und unserer Privatheit.
In unseren Kontrollgesellschaften erscheinen wir uns ja zuerst einmal ermächtigt. Es gibt immer die anderen, die kontrolliert werden müssen. Wir. Wir selbst. Wir fühlen uns tugendhaft und richtig. Wir begehen schließlich keine Verbrechen und schauen auf die Welt aus dem Blickwinkel der Kontrolle, wie uns das die Leitmedien der Kontrolle vormachen. Das Wütend-Werden. Das ist schließlich genau der Berichtsvorgang in der deutschen «Bild»-Zeitung und in der österreichischen «Kronen»-Zeitung, der den rationalen Journalismus ersetzt hat. Es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Marlene Streeruwitz, Seite 20
von Marlene Streeruwitz
Nach der Erzählung eines Bekannten … (der einen Antrag stellte zur finanziellen Förderung eines Theaterprojekts. Und weshalb gesprochen werden konnte, und deshalb umgehend die Gelder geflossen sind.)
Ich würde gerne einen Antrag auf Gelder schreiben und stellen, und darin mit meiner erworbenen Kompetenz glänzen und wissen, dass die am anderen Ende verstanden wird...
Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefongesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man...
Amerikanische Familienstücke haben Konjunktur. Auch auf deutschen Bühnen. In Tracy Letts’ Generationenepos «August: Osage County» (2007) kämpften traumatisierte Schwestern mit ihren Ehepartnern und ihrer Übermutter. Und auch in Tony Kushners im Mai 2011 in New York uraufgeführtem Stück «The Intelligent Homosexual’s Guide to Capitalism and Socialism With a Key to...
