Sanftheit generiert Rhythmusprobleme
Nach der Erzählung eines Bekannten … (der einen Antrag stellte zur finanziellen Förderung eines Theaterprojekts. Und weshalb gesprochen werden konnte, und deshalb umgehend die Gelder geflossen sind.)
Ich würde gerne einen Antrag auf Gelder schreiben und stellen, und darin mit meiner erworbenen Kompetenz glänzen und wissen, dass die am anderen Ende verstanden wird (und ich die Gelder bekomme), und weder ironisch noch zynisch sein und mich auch nicht verstellen müssen, weil ich diffus irgendeinen Grund wüsste, wofür sich das Gremium gerade interessiert.
Ich will nicht damit belästigt sein, dass das Gremium, das über mich entscheidet, viel eher an meiner Sanftheit interessiert sein könnte, daran, dass ich ihm als ein sanfter Typ bekannt bin, der gut mit Leuten umgehen kann. Nein, das ist nicht das, was ich gelernt habe. Sanft sein, das will ich nicht auf den Markt werfen, mit einem Gedanken, der mein kompetentes Schreiben durchkreuzt. (Sanftsein, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, gehört der Ökonomie, dem Geld. Mein Antrag auf finanzielle Förderung meines Projektes aber würde die Sprache kennen.)
Ich möchte in einer Gesellschaft leben, wo Anträge geschrieben und gelesen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: René Pollesch, Seite 38
von René Pollesch
Immer wieder wird an einen Intendanten, so jedenfalls meine Erfahrung, der Wunsch herangetragen, etwas zu produzieren, wo man «so richtig doof ablachen» kann. Man fragt sich: Wo kommt dieser Wunsch her? Die Menschen, die es sich wünschen, über etwas «richtig doof abzulachen», könnten sich diesen Wunsch ja leicht erfüllen, indem sie in den Spiegel gucken....
PARRHESIA
die institutionalisierung der beichte in europa im 13. jahrhundert ist wohl der zentrale punkt der christlichen übernahme des griechischen prinzips des «kümmerns um sich selbst» (epimeleia heautou). diese sorge um sich selbst wurde bei den griechen anders praktiziert. hier bedurfte es keines beamteten priesters, sondern eines älteren freundes, eines...
Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefongesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man...
