Sanftheit generiert Rhythmusprobleme
Nach der Erzählung eines Bekannten … (der einen Antrag stellte zur finanziellen Förderung eines Theaterprojekts. Und weshalb gesprochen werden konnte, und deshalb umgehend die Gelder geflossen sind.)
Ich würde gerne einen Antrag auf Gelder schreiben und stellen, und darin mit meiner erworbenen Kompetenz glänzen und wissen, dass die am anderen Ende verstanden wird (und ich die Gelder bekomme), und weder ironisch noch zynisch sein und mich auch nicht verstellen müssen, weil ich diffus irgendeinen Grund wüsste, wofür sich das Gremium gerade interessiert.
Ich will nicht damit belästigt sein, dass das Gremium, das über mich entscheidet, viel eher an meiner Sanftheit interessiert sein könnte, daran, dass ich ihm als ein sanfter Typ bekannt bin, der gut mit Leuten umgehen kann. Nein, das ist nicht das, was ich gelernt habe. Sanft sein, das will ich nicht auf den Markt werfen, mit einem Gedanken, der mein kompetentes Schreiben durchkreuzt. (Sanftsein, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, gehört der Ökonomie, dem Geld. Mein Antrag auf finanzielle Förderung meines Projektes aber würde die Sprache kennen.)
Ich möchte in einer Gesellschaft leben, wo Anträge geschrieben und gelesen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: René Pollesch, Seite 38
von René Pollesch
Ich soll nun schreiben «Ich habe eine Wut auf ...», bin aber das Gegenteil eines «angry old man» und denke so oft an mein momentanes Wohlergehen, dass ich dazu neige, solche «Wutgefühle» wegzupusten, auch um dadurch zu vergessen, zu verdrängen: Sie würden meiner übriggebliebenen Kreativität oder Lust auf Theater, Oper und Literatur im Wege stehen. Es halten mich...
Wut ist eine sekundäre Emotion. Menschen können Wut empfinden, wenn sie gerade mit etwas emotional Unmittelbarem zu kämpfen haben. Wenn wir zu kämpfen haben, weil wir mit Angst oder Traurigkeit oder auch Freude zurechtkommen müssen, kann es sein, dass sich dieser Kampf in Wut manifestiert.
Ich weiß nicht so recht, ob ich Wut für besonders inspirierend halte. Ich...
Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlassenwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem...
