Lebendig begraben
Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefongesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man beständig mit dieser Frage konfrontiert.
Fakt ist, dass uns der Laden keinesfalls dichtgemacht wurde. Im Gegenteil, die Schauspielsparte spielt, und die Opernsparte singt.
Beide haben für die nächste Spielzeit ihre Spielpläne präsentiert, die mit unvermindertem Zuschuss geplant werden konnten. Seit einem Jahr läuft eine PR-Kampagne mit dem Motto WUPPERTAL SPIELT – anscheinend vergebens.
Als die Politik im Herbst 2009 die Kürzung des Betriebskostenzuschusses um 2 Millionen Euro öffentlich angekündigt hat, ist das Wuppertaler Theater für kurze Zeit als Symbol für den finanziellen Niedergang der westdeutschen Kommunen intensiv in die Schlagzeilen geraten. Nie wurde über dieses Haus so viel und so ausführlich berichtet. Meistens allerdings mit mangelhafter Kenntnis der Situation vor Ort. Über die Empörung über die endgültige ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Christian von Treskow, Seite 32
von Christian von Treskow
Das Bühnenbild des Jahres ist bereits verschrottet, nach der letzten Vorstellung beim Theatertreffen im Berliner Mai reiste das Ensemble von «Tod eines Handlungsreisenden» mit leichtem Gepäck zurück nach Zürich. Sehr zum Ärger von Robert Hunger-Bühler, der in diesem verschwenderischen Traum der fünfziger Jahre, wie ihn Stéphane Laimé für den Regisseur Stefan Pucher...
An manchen Tagen genügt eine Zeitung, um die Zeit zu versammeln. Der 28. März 2011 war so ein Tag, und die Zeitung eine «Süddeutsche». Auf der ersten Seite unten müssen gerade wieder einmal die Arbeiter aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima abrücken, weil ihnen das hochradioaktive Wasser sonst die Füße verbrennt. Oben steht der baden-württembergische...
Wenn Kritiker die mühsame Aufgabe präziser Schauspielerbeschreibung ein wenig abkürzen wollen, stellen sie gern in den hoffentlich irgendwie funktionierenden Echoraum des Textes neben das allgemein gehaltene charakterisierende Adjektiv («schüchtern, entschlossen, großkotzig») einfach das Naheliegendste: was der/die da vorne anhat. Das zeugt eigentlich von tiefem...
