What a dance!
Rebecca an Sasha
Ich erinnere mich, wie ich für die Arbeit am Gorki nach Berlin zog. Der Kompass in mir funktionierte nicht mehr nach Norden oder Süden, egal wo ich war, zu dem Zeitpunkt in Tel Aviv, richtete sich die Nadel immer wieder in Berlins Mitte aus. Das Maxim Gorki Theater war zum «Gorki» geworden und die weiße Schrift auf dem schwarzen Hintergrund strahlte fast so hell wie die Menschen und Ideen dahinter, die für etwas eintraten, wonach ich mich mein gesamtes Theaterleben über gesehnt hatte.
Da waren Künstler:innen, u.a.
du, Sasha, die ihren Stücken Titel in einer Sprache gaben, die für mich bislang ein geheimer Code gewesen war. Da waren Schreibwerkstätten, die hießen «Flucht, die mich bedingt», und ich hatte schon eine Vorahnung gehabt, dass hier zählt, was ich mitbringe. Hier würde zählen, was ich zu sagen habe, nicht woher ich komme oder für was ich «stehe». Und das war es zunächst auch: ein Raum, in dem viele, auch ich, die eigene künstlerische Stimme zum ersten Mal laut und deutlich hören. Ein Raum, in dem die eigene Stimme sofort resoniert. Sich am Festungsgraben, im Herzen Berlins, jenseits des Zentrums zu denken, war wohl eine der fruchtbarsten Dialektiken der ...
REBECCA AJNWOJNER war Dramaturgin am Maxim Gorki Theater, kuratierte mit Carolin Hochleichter die Wiesbaden Biennale 2025 und ist seit Beginn der Intendanz von Pinar Karabulut und Rafael Sanchez Dramaturgin am Schauspielhaus Zürich
Autor:in SASHA MARIANNA SALZMANN war von 2013–2016 Künstlerische Leitung des Studio am Gorki; mehrere von Salzmanns Stücken und Romanen kamen am Gorki zur Aufführung
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Bilanz Gorki, Seite 44
von Rebecca Ajnwojner, Sasha Marianna Salzmann
Es ist wieder da. Bösartig, wie es genannt wird, vermutlich auch wegen seiner Gleichgültigkeit, ist das Geschwür in den Bauch zurückgekehrt. Es hat diese Drüse befallen, die im gesunden Fall Enzyme und Hormone speichelt. Das Pankreas. Ein fleißiges, unauffälliges, schwer verzichtbares Organ.
Der Frau mit der Rezidivdiagnose in der Saarbrücker Uraufführung von Maria...
Im Dezember las ich einen Rückblick auf 13 Jahre Gorki in der «Süddeutschen Zeitung». Der Rezensent würdigte das Projekt «Geschichten von Menschen mit Migrationserfahrungen», lobte die Diversität des Ensembles und hob die in seinen Augen wichtigen Regiehandschriften und Inszenierungen und Themensetzungen hervor. Dabei fiel in einem kleinen Nebensatz auch die...
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