Der menschliche Faktor
Im Grunde bedurfte es nicht einmal der, obgleich schönen, Verlängerung vom Theater in den Konzertsaal, wenn das Publikum nach vier Stunden für die ersten der angesetzten Aufführungen hinüber ins nahegelegene Anneliese Brost Musikforum wanderte, um Dmitri Schostakowitschs Symphony Nr. 10 e-Moll mit den Bochumer Sinfonikern unter Tung-Chieh Chuang zu erleben. Als Fortschreibung des Romans «Leben und Schicksal» mit anderen Mitteln.
Jenes Werk, das der auch in seiner Heimat verfemte Komponist wohl in Reaktion auf den Tod Stalins 1953 geschrieben hat: als Bekenntnismusik in elegischer Zartheit und aufrührerischem Leidenspathos.
Johan Simons’ Inszenierung schafft sich nämlich von Beginn an ihre eigene Musikalität, baut sich ihre eigene kammermusikalische Struktur in der Konzentration auf die Ur-Idee, dass die Lebenden und die Toten nicht getrennt sind, sondern Umgang pflegen, Zwiesprache halten, die Trennlinie sich aufhebt – im Angesicht des Schmerzes.
Wassili Grossmans Roman ist ein Monument: in seiner sprachlichen Kraft, Schönheit und dunklen Leuchtkraft ebenso imponierend wie als historisches Panorama über das Verhängnis des 20. «Wolfshund-Jahrhun -derts», wie Ossip Mandelstam ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Andreas Wilink
Im Dezember las ich einen Rückblick auf 13 Jahre Gorki in der «Süddeutschen Zeitung». Der Rezensent würdigte das Projekt «Geschichten von Menschen mit Migrationserfahrungen», lobte die Diversität des Ensembles und hob die in seinen Augen wichtigen Regiehandschriften und Inszenierungen und Themensetzungen hervor. Dabei fiel in einem kleinen Nebensatz auch die...
Ein bisschen erinnert er an JD Vance, dieser Anzugtyp, der da in Großprojektion auf dem Vorhang populistisch in der Menge badet, dabei straight und siegessicher in die Kamera grinst. Und dann auch wieder nicht. Zumindest scheint er nicht bedingungslos an brutale Remigrationsprogramme und identitäre Privilegien zu glauben. Der Ort der Geburt, ist der wirklich so...
24.6./MITTWOCH
23:00, ARTE: Ingeborg Bachmann, 100 Jahre Ingeborg Bachmann, F/A 2026
Die Dokumentation von Regisseurin Barbara Frank zeichnet ein vielschichtiges Porträt von Ingeborg Bachmann. Im Zentrum steht eine Autorin zwischen literarischem Ruhm, persönlicher Zerrissenheit und künstlerischer Radika -lität, deren Schreiben immer wieder als Angriff auf...
