Wettstreit um einen Füller
Auf den ersten Blick: Das gute Zimmermannshandwerk soll es also richten. Johan Simons hat seine «Vergessene Straße» aus Sperrholz quer in die Jahrhunderthalle Bochum gebaut, gut zwanzig Meter lang. Betont karge Häuserfronten, die teils wie Schiebetüren zu handhaben sind, bieten sich den Publikumstribünen zu beiden Seiten dar. Nach oben schließt die Straße durch eine Decke ab. Es ist ein Tunnelschacht, mit dem sich die Kunst in das einstige Stahlwerk hineingräbt.
Gut eine Woche später drängt es Alain Platel mit «Pitié! Erbarme Dich!» an selber Stelle in die Höhe.
Den Bühnenhintergrund dominiert ein hölzerner Burgfried, der zu den Gittertreppen und Stahlverankerungen unter dem Fabrikdach hinauf weist. Von dort hängen Kuhlederhäute an schweren Ketten herab. Das Versprechen der RuhrTriennale, die verwaisten Industriekathedralen von NRW künstlerisch und architektonisch wieder zu beleben, löst sich zumindest in den Bühnenbildern ein. Ministerpräsident Rüttgers, Gast beider Premieren, wird es freuen.
Brüderlichkeit, Mitgefühl
Als «Kreationen» labelt die RuhrTriennale ihre Gesamtkunstwerkreihe, in der neue Stücke mit live orchestrierter Musik den Weg in die Industrieräume bahnen. Mit ...
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Zu Tisch! Nach Michael Thalheimer und Tilmann Köhler (s. TH 05/08 und 07/08) stellt auch Thomas Ostermeier seinen «Hamlet» vor. Der dänische Prinz mit dem Entscheidungsproblem – Gerechtigkeit für den Vater oder Nachsicht für die ehebrecherische Mutter – wird in den engsten Familienkreis verwiesen. Sechs Schauspieler teilen sich die Rollen und verhandeln das Stück...
Eins der letzten Tabus unserer Gesellschaft sei sie, die «postpartale Depression», die Depression nach der Entbindung, behauptet das Presseheft zu Emily Atefs Film «Das Fremde in mir» nicht ohne Pathos. Aufklärung über, Verständnis für eine schwer vermittelbare Krankheit, der laut Wikipedia jährlich 80.000 Frauen in Deutschland zum Opfer fallen, hat sich die junge,...
Vor knapp zehn Jahren erschien das «Postdramatische Theater» von Hans-Thies Lehmann und wurde in kurzer Zeit zum Standardwerk. Bis heute haben einige Studentengenerationen ihr theaterwissenschaftliches Studium mit diesem Buch begonnen und zum Teil auch beendet. Der Reiz des Titels, der zum Schlagwort einer ästhetischen Position geworden ist, ist offensichtlich. Das...
