Werk oder Wust?
Heilige Schrift I» – darunter macht es Wolfram Lotz nicht mehr. Mit gerade mal einem halben Dutzend Stücken in den Dramatiker-Olymp aufgestiegen, holt er nun auf einen Schlag nach, was er im letzten Jahrzehnt an Seiten gespart hat.
Ein Jahr lang einfach «alles» aufschreiben, so der Plan (den Rainald Goetz bereits 1998 mit «Abfall für alle» schon einmal durchexerziert hat, noch bevor Karl Ove Knausgård zehn Jahre später mit seinem sechsbändigen autofiktionalen Exzess «Mein Kampf» die Grenzen der Offenheit noch einmal an den Rand des Erträglichen und manchmal darüber hinaus verschob). Bei Lotz gibt es Grenzen, die Familie betreffend, Frau und Kinder werden als N, E und O zwar erwähnt und laufen mal kurz durchs Bild, aber Beziehungsthemen kommen nicht zur Sprache. Dafür werden mitunter die lieben Kolleg: -innen und die Literaturbranche ins Kreuzfeuer genommen.
Dennoch bleibt es ein Beobachtungsexperiment, das unweigerlich auf das Leben des Beobachters zurückschlägt, ein Fall von Selbsterschreibung als Selbstbeschreiber, was naturgemäß zu Rückkoppelungseffekten führt, in die sich die potenzielle Leserschaft – womöglich schreiberisch vorbelastet – einklinken kann. Die doppelte ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
BAYREUTH, KUNSTMUSEUM bis 28.8., Ganz großes Theater – Plakate von Frieder Grindler
Der Stuttgarter Designer und Künstler gestaltete u. a. Plakate für Bühnen in Tübingen, Stuttgart, Karlsruhe und Düsseldorf.
BASEL, MUSEUM TINGUELY bis 21.8., BANG BANG – translokale Performance Geschichte:n
Präsentation eines internationalen Programms und der Schweizer...
Dunkel und drohend, gehauen aus schwarzen Felsen steht er da, der Turm der Prospera. Er erinnert wohl nicht zufällig an Barad-dur, den Turm Saurons aus dem «Herr der Ringe», von dem aus der dunkle Herrscher Mittelerde mit seinem magischen Auge überwacht. In Weimar thront ein leuchtender, farbwechselnder Ring als Symbol des Zauberbanns über allem. Prospera wacht mit...
Und dann kommen die Tränen. Rotz und Wasser, die ganze schöne FFP2-Maske voll. Das passiert eigentlich nicht im Theater. Theater ist Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Genuss, verlorene Zeit, wiedergefundene Zeit. Aber «berührend», das ist in erster Linie ein Adjektiv, um in Kritiken einen perfekt inszenierten Moment zu schildern. Schuld daran ist Familie...
