Ein Geraune und Getöse

Stefan Bachmann inszeniert am Schauspiel Frankfurt Elfriede Jelineks «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! Was ich sagen wollte»

Das Grunzen ist ohrenbetäubend. Noch bevor das Licht angeht, hat der Lärm bereits begonnen. Als es hell wird, kreisen zwei gewaltige, silbrige Ringe über die Bühne, zwischen ihnen klemmen Leiber: Schweine auf der Schlachtbank. Oder im Solarium? Sind wir hier bei Tönnies – oder auf den Ringen des Saturn? Irgendwo zwischen Extraterrestrischem und Massentierhaltung tariert sich «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! Was ich sagen wollte» von Elfriede Jelinek aus, uraufgeführt von Stefan Bachmann am Schauspiel Frankfurt. 

Jelineks Pandemie-Stück «Lärm. Blindes sehen.

Blinde sehen!» wurde bereits im Juni 2021 von Karin Beier am Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt. In Frankfurt wird er ergänzt durch den Text «Was ich sagen wollte», der sich mit dem Aufstieg und Fall von Sebastian Kurz befasst – gab doch der österreichische Ex-Bun -deskanzler während der ersten Frankfurter Proben seinen Rückzug bekannt. In der Neufassung wird die Geschichte von Kurz gewissermaßen in «Lärm» hineinmontiert, erscheint zu Beginn und wieder zum Schluss.

Der kleine Gott Sebastian Kurz

Beiden Texten ist gemeinsam, dass sie sich am Populismus abarbeiten – an den sozialen Medien, in denen Knappes, Pointiertes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Die Erlkönigin

Eine Zumutung

Es war an einem warmen Sommerabend, und die Lage war aussichtslos. Ich steckte fest. Mitten in der zweitgrößten Halle Kampnagels (…), und ich dachte: Amelie, was mutet ihr uns zu mit diesem Gastpiel der Burg? Knapp zwei Stunden lang saß ich da, dachte über ungeschriebene Artikel, unkorrigierte Bachelorarbeiten und unbeantwortete Mails nach, und dann,...

Spleen und Freiheit

Und dann kommen die Tränen. Rotz und Wasser, die ganze schöne FFP2-Maske voll. Das passiert eigentlich nicht im Theater. Theater ist Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Genuss, verlorene Zeit, wiedergefundene Zeit. Aber «berührend», das ist in erster Linie ein Adjektiv, um in Kritiken einen perfekt inszenierten Moment zu schildern. Schuld daran ist Familie...

Dates mit dem Gestern

Das Vermächtnis, nach dem Matthew Lopez sein in der angelsächsischen Welt vielfach preisgekröntes Theaterstück benannt hat, ist ein Haus auf dem Land. Der erfolgreiche Immobilienhändler Henry Wilcox hat es für seinen verstorbenen Geliebten Walter gekauft, der es jedoch nicht als Liebes-, sondern gegen Henrys Willen als Nächstenliebesnest nutzte, indem er dort...