Mein Name ist Existenzminimum

Stadt:Kollektiv «Working Class» (U) Im Schauspielhaus Düsseldorf

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So ein Jubel war lange nicht am Schauspiel Düsseldorf, wo Abendgarderobe bis heute die Premierenoptik prägt und selbst bei Standing Ovations die Frisuren nicht verrutschen. Bei der Uraufführung von «Working Class» in der Regie von Bassam Ghazi sprüht eine andere Begeisterung aus den Publikumsreihen, Klatschen, Pfiffe, Trampeln. Der junge Mann neben mir ruft bei jeder Verbeugung «Anahiiiiit», und Anahit Grigorian schüttelt minimal den Kopf und strahlt noch ein bisschen mehr. 

«Working Class» ist ein energiegeladenes Stück von und mit Expert:innen des Alltags.

Ihre Expertise heißt Leiharbeit und Frühschicht, Putzen und Pflege, Niedriglohn-Sektor und Plattform-Kapitalismus. Der Abend ist ein Fremdkörper am Gustaf-Gründgens-Platz – und damit am richtigen Ort. Ghazi, sein Dramaturg Lasse Scheiba und die acht Spieler:innen arbeiten mit der bewährten Mischung aus biografischem Erzählen, fiktionalen Elementen und Gesellschaftstheorie. Was diesem klugen und sehr eindringlichen Abend etwas fehlt, ist ein offensiverer Umgang mit seiner Entstehung, mit Laientheater an sich. Auch das nervöse Verschlucken von Endungen im Kontrast zum selbstbewussten Dröhnen von Berufsschauspieler:innen erzählt ...

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Theater heute 7 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Cornelia Fiedler

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