Mein Name ist Existenzminimum
So ein Jubel war lange nicht am Schauspiel Düsseldorf, wo Abendgarderobe bis heute die Premierenoptik prägt und selbst bei Standing Ovations die Frisuren nicht verrutschen. Bei der Uraufführung von «Working Class» in der Regie von Bassam Ghazi sprüht eine andere Begeisterung aus den Publikumsreihen, Klatschen, Pfiffe, Trampeln. Der junge Mann neben mir ruft bei jeder Verbeugung «Anahiiiiit», und Anahit Grigorian schüttelt minimal den Kopf und strahlt noch ein bisschen mehr.
«Working Class» ist ein energiegeladenes Stück von und mit Expert:innen des Alltags.
Ihre Expertise heißt Leiharbeit und Frühschicht, Putzen und Pflege, Niedriglohn-Sektor und Plattform-Kapitalismus. Der Abend ist ein Fremdkörper am Gustaf-Gründgens-Platz – und damit am richtigen Ort. Ghazi, sein Dramaturg Lasse Scheiba und die acht Spieler:innen arbeiten mit der bewährten Mischung aus biografischem Erzählen, fiktionalen Elementen und Gesellschaftstheorie. Was diesem klugen und sehr eindringlichen Abend etwas fehlt, ist ein offensiverer Umgang mit seiner Entstehung, mit Laientheater an sich. Auch das nervöse Verschlucken von Endungen im Kontrast zum selbstbewussten Dröhnen von Berufsschauspieler:innen erzählt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 7 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Cornelia Fiedler
Ein internationales Festival wollen die Ruhrfestspiele sein. Und das können sie nun endlich wieder, nach dem Ende der coronabedingten Beschränkungen. Die internationalen Produktionen, die teilweise schon vor zwei Jahren gezeigt werden sollten, nun sind sie da. William Kentridge, Romeo Castellucci und Phelim McDermott – drei große Namen im interkontinentalen...
Dunkel und drohend, gehauen aus schwarzen Felsen steht er da, der Turm der Prospera. Er erinnert wohl nicht zufällig an Barad-dur, den Turm Saurons aus dem «Herr der Ringe», von dem aus der dunkle Herrscher Mittelerde mit seinem magischen Auge überwacht. In Weimar thront ein leuchtender, farbwechselnder Ring als Symbol des Zauberbanns über allem. Prospera wacht mit...
2./SAMSTAG 21.40, 3sat: Hermann Hesse – Brennender Sommer
Essayfilm, Schweiz 2020, Regie Heinz Bütler, mit Sibylle Lewitscharoff, Silver Hesse, Daniel Behle, Oliver Schnyder, Alain Claude Sulzer, Michael Limberg und Peter Simonischek
4./MONTAG 22.25, 3sat: James Baldwin: I Am Not Your Negro
Dokumentarfilm von Raoul Peck, Schweiz 2016
9./SAMSTAG 22.40, arte: Der...
