Werden, was man tut
Früher oder später werden wir zu dem, was wir tun», erklärt der italienische Theatermacher Nicola Borghesi dem hochkonzentrierten und tief bewegten Publikum. Gemeinsam mit Enrico Baraldi, seinem Kollegen von der Theatergruppe Kepler-452, hatte er im Sommer 2024 eine Seenotrettung im zentralen Mittelmeer begleitet, an Bord der deutschen Sea-Watch 5.
Und auch wenn Borghesi den Satz auf das erschütternde Versagen Europas an seinen Außengrenzen bezieht – «Es ist uns egal, dass das Meer um uns herum ein Massengrab geworden ist» –, wirkt er wie ein heimliches Motto für die diesjährige Ausgabe des FIND-Festivals, das in der Schaubühne Ende April internationale Theaterarbeiten präsentierte. Denn die thematische Kuration wagte sich in diesem Jahr tief in zwischenmenschliche Abgründe der sogenannten Zivilisation hinab: zu Inzest, Mobbing, Selbstmord, Depression, Rassismus und – viel schlimmer vielleicht – dem allgemein vorherrschenden Mangel an Fürsorge und Empathie mit den Opfern.
Plot als Mosaik
Gegen das kollektive Schweigen, das die Voraussetzung für Verdrängung und Tabu ist, hat die norwegische Schriftstellerin Vigdis Hjorth mit dem 2016 veröffentlichten Roman «Arv og miljø» («Ein ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Festival, Seite 34
von Anja Quickert
Es geht um die Brezel! Für Christine Wahl, aktuelles Mitglied der Berliner Theatertreffen-Jury, scheint die Regel, «dass von den 10 eingeladenen bemerkenswertesten Aufführungen mindestens die Hälfte von Frauen inszeniert sein muss, zum Festival zu gehören wie die obligatorische Laugenbrezel zum Foyer». Die Frauenquote also. Sie wurde 2019 für zunächst drei Jahre...
Das Puppenheim im Titel ist gestrichen, dafür hat August Bebel den ersten Auftritt und spricht von der Misere der heutigen Ehefrau, aus dem1879 erschienen Text «Die Frau und der Sozialismus». Er ist damit genauso alt wie Ibsens «Nora», die Regisseur Tom Kühnel hier und heute verhandeln will. Das mit dem Sozialismus hat sich überlebt, aber die Misere ist geblieben.
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Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt naht, mit ihr die Möglichkeit der ersten Landesregierung mit AfD-Beteiligung, womöglich sogar eine Alleinregierung. In diesem Kontext erschien Mitte April eine gemeinsame Erklärung der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und weiterer Kulturinstitutionen aus dem Bundesland.
Es ist kein Wahlaufruf, einfach eine genaue Lektüre: der...
