Werden, was man tut
Früher oder später werden wir zu dem, was wir tun», erklärt der italienische Theatermacher Nicola Borghesi dem hochkonzentrierten und tief bewegten Publikum. Gemeinsam mit Enrico Baraldi, seinem Kollegen von der Theatergruppe Kepler-452, hatte er im Sommer 2024 eine Seenotrettung im zentralen Mittelmeer begleitet, an Bord der deutschen Sea-Watch 5.
Und auch wenn Borghesi den Satz auf das erschütternde Versagen Europas an seinen Außengrenzen bezieht – «Es ist uns egal, dass das Meer um uns herum ein Massengrab geworden ist» –, wirkt er wie ein heimliches Motto für die diesjährige Ausgabe des FIND-Festivals, das in der Schaubühne Ende April internationale Theaterarbeiten präsentierte. Denn die thematische Kuration wagte sich in diesem Jahr tief in zwischenmenschliche Abgründe der sogenannten Zivilisation hinab: zu Inzest, Mobbing, Selbstmord, Depression, Rassismus und – viel schlimmer vielleicht – dem allgemein vorherrschenden Mangel an Fürsorge und Empathie mit den Opfern.
Plot als Mosaik
Gegen das kollektive Schweigen, das die Voraussetzung für Verdrängung und Tabu ist, hat die norwegische Schriftstellerin Vigdis Hjorth mit dem 2016 veröffentlichten Roman «Arv og miljø» («Ein ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Festival, Seite 34
von Anja Quickert
Schöne Träume, schlimme Träume? Gute Zeiten, schlechte Zeiten? Was kann man aus Europas Träumen herauslesen über unseren gerade ziemlich gebeutelten Kontinent, der sich lange als eine Insel der Seligen sah, wirtschaftlich prosperierend in liberalen, demokratisch selbstorganisierten Gesellschaften, die sich plötzlich mit politischer Instabilität, Kriegen und...
Figuren
Gordon – Regisseurin Birgit – Schauspielerin «Julia» Ulrich – Schauspieler «Winston Schmitz» Günni – Schauspieler «O’Brien» Lennart – Schauspieler «Martin» Benni – Setrunner
Anmerkungen
1.) Wokey Wokey ist das Making-Of eines gescheiterten Films. Regisseurin Gordon und ihr Team bieten pro Teil je eine Begründung für dieses Scheitern an. Da selbst die...
Noch immer betrete ich das Humboldt -forum mit Skepsis. Der Abriss des Palasts der Republik und die Rekonstruktion des preußischen Stadtschlosses, der Versuch also, DDR-Geschichte in Berlins Mitte einzutauschen gegen die nicht minder problematische preußische Tradition, ist der eine Haken – die Unterbringung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische...
