Wenn Theater tanzt

Gala Othero Winter spielt am Hamburger Schauspielhaus zwischen jugendlicher Distanz und körperlicher Unmittelbarkeit

Theater heute - Logo

Gala Othero Winter trägt ein gestreiftes Schlauchkleid, eine Bomberjacke und eine rote Wollmütze. Die perfekte Mischung aus aggro und mädchenhaft, zart und hart. Zwischen ihren Fingern ein Zahnstocher, den sie am Ende des Gesprächs in kleine Späne zerteilt haben wird. Sie redet schnell, atemlos, ohne Dialektfärbung, aber ein wenig nachlässig, verschleift die Silben, manchmal springt sie zwischen Gedanken, manchmal verheddert sie sich in den Sätzen. Ein bisschen chaotisch, verpeilt und aufgeregt.

Gala Othero.

Was sind das für Vornamen? Anscheinend existieren unterschiedliche Geschichten, und Winter erzählt immer diejenige, die ihr als Erstes einfällt: Gala heiße sie nach Salvador Dalís Frau. «Und Othero: Da gab es eine spanische Edelhure, die wahnsinnig reich war, und die hieß La bella Otéro.» La bella Otéro, die «königliche Mätresse» Augustine Caroline Otéro Iglesias, die 1965 97-jährig spielsüchtig und verarmt in Nizza starb. Eltern, die ihre Tochter nach so jemandem nennen, möchte man auch mal kennenlernen. Bildungsbürger mit eigenartigem Humor? Auf der einen Seite schon: «Das ist so eine Künstlerfamilie. Die andere Seite waren Arbeiter.» Winters Stimme bekommt einen ironischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2016
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
«Letztendlich geht es um Liebe»

In wenigen Branchen wird so intensiv nach jungen Talenten gefahndet wie in der dramatischen Literatur. Unentdeckt zu bleiben, wenn man etwas zu sagen hat, ist heutzutage kaum noch eine Gefahr. Was allerdings keine Garantie für anhaltende Bühnenpräsenz bedeutet, denn in den Spielplänen müssen die neuen Stücke mit Romanadaptionen und Projektentwicklungen...

Zürich: Tonband to Heaven

Der amerikanische Physiker William Roger Corliss (1926–2011) schrieb Bücher über unerklärliche Naturerscheinungen. Nicht UFOs waren seine Leidenschaft, sondern gewöhnlichere Ano­malien. Corliss sammelte seltsame Wetterphänomene und ging gegen den Glauben an die exakte Wissenschaft vor, den er längst verloren hatte, als er 1988 eine Preisverleihung in London...

Basel: Betreute Ekstase

Wenn man sich die Jüngerinnen und Jünger des Orgiengurus Dionysos im Theater Basel so anschaut, könnte man fast auf einen neuen Wellness-Trend tippen. Das gegenseitige Einschlämmen mit optisch heilerdeähnlichen Substanzen nebst Kunstblut, das ein Grüppchen fleischfarbener Unterwäscheträger hier in einer eindrucksvollen Massenchoreografie zur begleitenden...