Wenn Artisten altern

Die junge Kunstform des Neuen Zirkus zeigt sich beim Atoll-Festival in Karlsruhe bemerkenswert selbstreflektiv

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So leise kann der Neue Zirkus daherkommen: Acht Männerkörper bewegen sich zu kontemplativen Musik-Loops über die Bühne im Karlsruher Kulturzentrum Tollhaus. Was sie zeigen, ist kaum mehr als das kleine Einmaleins der Artistik – etwa der aufrechte Stand auf den Schultern eines anderen, der sich dabei durch den Raum bewegt. Und dennoch schafft die belgische There There Company hiermit besondere Momente. Denn hier treffen nicht acht virtuose Körperkünstler auf der Höhe ihres Könnens aufeinander. Sondern hier agieren vier Artisten mit ihren Vätern, die jeweils um die 60 sind.

«Carrying My Father» heißt die Produktion, die intim und fast zärtlich über männliche Rollenbilder und die Beziehung zwischen den Generationen nachsinnt. 

Im Theater kennt man eine solche Konstellation seit dem Stück «Testament» des Perfor -merinnen-Kollektivs She She Pop, das zwischen 2010 und 2013 einige Festivalpreise abräumte. In der Artistik-Sparte rückt neben der sehr individuellen Frage, wie man seinen ganz persönlichen Generationenvertrag behandelt, die Vergänglichkeit der Körper in den Fokus. Am Ende von «Carrying My Father» entledigen sich die acht Akteure ihrer individuellen Kleidung, unter der sie ...

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Theater heute 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Andreas Jüttner

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